• Herzlich Willkommen zu tutti.info 1/2026

    Unsere aktuelle Ausgabe beleuchtet unser Titelthema

    Konzertprogramme und Veranstaltungsformate neu gedacht“.

    Wir räumen unserem jeweiligen Titelthema im Layout mit einer neuen Rubrik Titelthema eine höhere Sichtbarkeit ein. Viele Artikel zum aktuellen Titelthema verdienen auch Applaus, sind frisch eingetroffen oder gut zu wissen – es gibt sie deshalb in zwei Rubriken.

    Die Ankündigung unseres Titelthemas fiel auf fruchtbaren Boden: Eure Artikel regen an zum ‚Neu gedacht‘. Martin Morgenstern vehementes Plädoyer lautet: „Kinder, übt Neues!“ Friedemann Neef schlägt passende Werke für Kennenlernprojekte vor.

    Neun Artikel über ’neu gedachte‘ Konzerte habt ihr uns eingereicht mit euren Ideen:

    • Wir bieten jungen Solisteninnen und Solisten eine Bühne
    • Der Weg ist das Ziel, wir realisieren ein gemeinsames Projekt
    • Zum 75-jährigen Jubiläum ein Werk op. 75
    • Wir verbinden Musik mit Literatur
    • Ein Konzert mit Gebärdendolmetscher für eingeschränkt Hörende
    • Ein buntes Programm mit Opernarien
    • Ein Sommernachtstraum
    • Stummfilm mit Musik
    • ‚Peter und der Wolf‘ im heutigen Deutschland

    Spannend […]

    Editorial 1/2026

  • Titelthema

  • Für unsere aktuelle Ausgabe haben wir das Titelthema „Konzertprogramme und Veranstaltungsformate neu gedacht“ gewählt. Wir wollen der Vielfältigkeit der Konzertprogramme unserer Orchester eine Bühne bieten. Wir wollen Beispiele präsentieren von Konzertprogrammen, maßgeschneidert auf die Besonderheiten des Orchesters und/oder ihres Publikums. Wir wollen unsere Orchester inspirieren, bei ihrer Konzertgestaltung kreativ zu sein.

    Doch was sind eigentlich „neu gedachte Konzertprogramme“?

    Ich frage die, die alles weiß, nämlich eine KI (hier keine Produktwerbung). Die KI wurde trainiert mit den Programmen tausender Konzerte – überwiegend von Profi-Orchestern, da deren Programme viel häufiger in den Medien zu finden sind als die der Amateurorchester.

    Die KI gibt mir folgende Tipps:

    Wählen Sie ein Thema, einen roten Faden, eine verbindende Klammer aller Werke.

    Gestalten Sie Ihr Konzert ausgewogen:

    • Eine große Sinfonie + kürzere kontrastierende Werke
    • Beziehen Sie einen Solisten mit ein, um ein breiteres Publikum anzusprechen
    • Mischen Sie verschiedene Epochen (Barock–Moderne), um Abwechslung zu schaffen

    Berücksichtigen Sie die Dauer:

    • Streben […]

    Konzertprogramme und Veranstaltungsformate neu gedacht

  • Knapp zweitausendzweihundert Eintrittskarten hat mein Lieblings-Liebhaberorchester Ende Januar für sein Konzert1 mit Dvořáks ›Neunter‹ und Smetanas ›Moldau‹ verkauft. Das Dresdner Publikum liebt offenkundig diese Ohrwürmer, und die Musiker spielen sie ja auch gern; nur der Kritiker der lokalen Tageszeitung knurrte leise, er freue sich schon jetzt auf das nächste Konzert des Orchesters, denn das habe »aus Sicht des Rezensenten […] einen höheren Entdeckungswert«2.

    Tja, liebe Orchesterkollegen, Hand aufs Herz: lieber gute alte Bekannte zum x-ten Mal wiedertreffen oder sich gemeinsam mutig in neue, unbekannte Repertoire-Abenteuer stürzen? Das könnte zuerst eine Altersfrage sein. Die »Offenohrigkeit« des Publikums (und der Musiker), also die Offenheit gegenüber neuer und unbekannter Musik, nimmt mit dem Alter ab. Und das überalterte deutsche Klassikpublikum stimmt mit den Füßen ab: lieber eine Dvořák-Sinfonie als ein unbekanntes Werk von Florence Price. Lieber Smetana als Philip Glass. Außerdem die ganzen pragmatischen Abwägungen: der Notenwart freut sich, wenn er […]

    Das wollten wir doch immer schon mal spielen!

  • In diesem Jahr wird die Orchesterwerkstatt, die der LBBL e.V. (Landesverband Berlin-Brandenburgischer Liebhaberorchester) alljährlich für AmateurmusikerInnen anbietet, bereits zum 36. Male stattfinden – Anlass genug, im vom Landesmusikrat Berlin ausgerufenen „Jahr der Berliner Amateurmusik“ einmal exemplarisch auf die Anforderungen hinsichtlich des Repertoires zu blicken, die so ein Unternehmen voraussetzt. Als jemand, der seit vielen Jahrzehnten sowohl mit Amateuren als auch mit Schülerinnen und Schülern arbeitet und diese LBBL-Werkstätten nunmehr seit 2012 musikalisch anleiten darf, kristallisieren sich mir dabei einige grundsätzliche, meines Erachtens unverzichtbare  Parameter heraus, die mir für das Gelingen notwendig erscheinen.

    Leistungsgedanke versus Erlebnisse des Miteinanders

    Zuerst will eine Besonderheit gerade dieses Seminars bedacht sein: Nicht der pure Leistungsgedanke steht im Vordergrund, wie er leider immer mehr auch beim Laienmusizieren um sich zu greifen scheint (mit allen möglichen negativen Begleiterscheinungen, etwa der, dass auch Amateure aufeinander herabblicken oder sich gar gegenüber professionellen MusikerInnen auf fachlich mitunter sehr dünnes […]

    Repertoire-Vorschläge für Orchesterwerkstätten

  • Zusammenarbeit in der Region

    Die Situation: Ein Laienorchester im ländlichen Raum in einer Gemeinde mit knapp 9.000 Einwohnern. Am Ort eine Akademie, die die musizierende Jugend fördert. Und eine Dirigentin, eine gymnasiale Schulmusikerin aus der Nachbargemeinde, die sich seit jeher dafür einsetzt, talentierte Schülerinnen und Schüler zu fördern, die oftmals weite Wege zu hochwertigem Instrumentalunterricht zurücklegen. Was liegt näher als gute, fruchtbare Zusammenarbeit in der Region? Es entstanden zwei hochwertige Konzerte:

    Adventskonzert

    Am 1. Advent vor der Kulisse des städtischen Weihnachtsmarktes, der sich vor der Basilika abspielt, gab das Kammerorchester Ochsenhausen sein Adventskonzert „Oratorio de Noël“. Den Gesangspart in Saint-Saëns‘ Weihnachtsoratorium übernahm der Schulchor der Dirigentin, die Gesangssoli einige Schulmusikerkollegen und Dozenten bis hin zum Leiter der Landesakademie. Und es gab die Möglichkeit für einen solistischen Auftritt in Mozarts Konzert für Flöte und Harfe: den einen Solopart übernahm die junge Harfenistin aus der Region, Maria Hauptmann, auf dem Weg […]

    Auftrittsmöglichkeiten für junge Solistinnen

  • Konzertorte neu gedacht am Beispiel eines außergewöhnlichen Orchesterprojekts der Musik- und Kunstschule Achern-Oberkirch

    Konzertorte sind mehr als Gebäude mit guter Akustik. Sie sind Begegnungsräume, Lernorte und soziale Bühnen. Wie neu und lebendig das gedacht werden kann, zeigt ein Orchesterprojekt aus der Ortenau, das seit Jahren erfolgreich klassische Konzertformate hinterfragt – und neu belebt.

    Ein Konzert entsteht aus Kooperation

    Was dieses Projekt besonders macht, ist nicht allein das musikalische Niveau, sondern die Struktur dahinter. Die Musik- und Kunstschule Achern/Oberkirch kooperiert jährlich mit drei regionalen Gymnasien: der Heimschule Lender in Sasbach, dem Gymnasium Achern und dem Hans-Furler-Gymnasium in Oberkirch. Gemeinsam stemmen sie etwas, das für jede einzelne Institution allein kaum möglich wäre: ein großes Sinfonieorchesterprojekt mit Orchesterfahrt und anschließenden Konzerten.

    Diese Zusammenarbeit schafft mehr als nur organisatorische Synergien. Sie überwindet schulische Grenzen, verhindert Rivalitäten und lässt ein regionales Netzwerk entstehen, das weit über das eigentliche Projekt hinaus wirkt. Der Konzertort wird so zum […]

    Wenn der Konzertsaal zur Gemeinschaft wird

  • Es war einmal ein Orchester, so wie alle anderen Orchester.

    Es plante Konzerte wie alle anderen Orchester und hatte Programme wie alle anderen Orchester.

    Die Reihenfolge war in jedem Konzert wie in allen vorherigen Konzerten und die Beteiligten waren dieselben, wie in jedem vorhergehenden Konzert.

    Und wenn das Orchester nicht gestorben ist…

    Nein, das Orchester ist so lebendig, wie nie zuvor und hatte eine Herausforderung. Es galt ein 75-jähriges Bestehen zu feiern und ein fulminantes Jubiläumsprogramm zu kreieren, das natürlich nicht viel kosten durfte.

    Den Denkprozess unterstützten einige Getränke und dann überstürzten sich die Ideen:

    Warum lassen wir nicht mal unsere eigenen Mitglieder als Solisten auf der Bühne stehen?

    Wie kann es gehen, dass möglichst viele von ihnen zu Wort bzw. zum Solo kommen?

    Was wäre eine passende Umrahmung für mehrere Solisten-Beiträge?

    Wie überfordern wir uns nicht?

    Und dann ergab sich eine wunderbare Programmgeschichte:

    Auf die Eröffnung mit dem ersten Satz aus – passenderweise – Haydns 75. Sinfonie […]

    Neues Konzertprogramm für altes Orchester

  • Thema „Heimat(en)“

    Im Rahmen der 42. Baden-Württembergischen Literaturtage gab es am Samstag, den 22. März 2025 ein ganz besonderes Konzerterlebnis in der Stadthalle Ettlingen: ein Konzert des Sinfonieorchesters Ettlingen unter der Leitung von Judith Mammel mit szenischer Lesung von Carsten Dittrich zum Thema „Heimat(en)“. Der Abend entstand in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Kulturamt Ettlingen. Der BMCO würdigte das Konzertprogramm im Rahmen des „Amateurmusikfonds“ mit einer Förderung.

    Norwegen

    Die erste Konzerthälfte bestand aus den beiden “Peer-Gynt-Suiten“ von Edvard Grieg. Das Werk stellt einen Abenteurer in den Mittelpunkt, der bewusst seine Heimat verlässt. Carsten Dittrich ergänzte die bekannten Melodien mit der Lesung einer Kurzfassung Henrik Ibsens Gedichts „Peer Gynt“. Durch das Zusammenspiel der Musik mit Dittrichs lebhafter Illustration konnten die Zuhörer den komplexen Gesamteindruck des Werkes bekommen und wunderbar in Peer Gynts Abenteuer eintauchen.

    Intermezzo interrotto

    In der zweiten Konzerthälfte standen zunächst Werke zweier Komponisten auf dem Programm, die einen Heimatverlust durch […]

    Konzert „Musik und Literatur“

  • Am 04.07.2025 öffnete die Johannes-Wagner-Schule Nürtingen ihre Türen für das Nürtinger Kammerorchester (NKO) unter der Leitung seiner international renommierten Dirigentin Friederike Kienle. Gespielt wurde Prokofjews musikalisches Märchen ›Peter und der Wolf‹.

    Das Publikum war außergewöhnlich: die Schülerinnen und Schüler der Johannes-Wagner-Schule, ein SBBZ (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum) mit Internat, Förderschwerpunkt Hören und Sprache. Vom dortigen Kindergarten bis zur 10. Klasse wurde der spannenden Geschichte vom mutigen Peter eifrig gelauscht, der mit seinem Freund, dem kleinen Vogel, den Wolf fangen will, weil der zuvor eine Ente gefressen hatte. Eindrücklich erzählt wurde die Geschichte von Timo Brunke, der ein wahres Schauspiel lieferte. Damit die hörbeeinträchtigten SchülerInnen die Geschichte verstehen konnten, haben die beiden Dolmetscherinnen Denise Mussenbrock und Magdalena Marth das Stück höchst lebendig gebärdet.

    Dazu musizierte das Nürtinger Kammerorchester die Tierstimmen und es fuhr zur Höchstform auf, als der Wolf schließlich gefangen wurde. Dabei schien es die ganze Zeit, als würde […]

    Das Nürtinger Kammerorchester hautnah

  • Große Gefühle, Drama und ergreifende Musik in der ersten Hälfte, Charme, Witz und Berliner Luft in der zweiten – die Musikfreunde Markdorf haben das Publikum ihrer Operngala auf eine Reise in die menschliche Seele entführt. Außer unserem Orchester wirkten Sopranistin Anuschka Schoepe, Tenor Jeffrey Nardone und Bariton Stefan Javanovic mit, sowie die „O-Perlen“, ein eigens zusammengestellter Projektchor.

    Schon Dvořáks achter Slawischer Tanz trägt die Bandbreite menschlicher Emotionen in sich, von überschäumender Lebensfreude bis zu tiefer Melancholie. Mit diesem Werk sind wir in unser Programm gestartet. Guiseppe Verdis „La Traviata“ erzählt, wie die edle Kurtisane Violetta um der Familie ihres Liebsten willen auf diesen verzichtet – wir haben die glühend-hoffnungsfrohe Liebeserklärung des Alfredo und die innige Verzichtarie der Violetta gespielt. In „Tosca“ geht es um Liebe, Verrat und Tod – meisterhaft malte Puccini den abgrundtief bösen Scarpia, den leidenschaftlichen Caravadossi und die unwiderstehliche Tosca. Don Giovanni, für den Champagner […]

    Operngala zum Jahresbeginn

  • Zum 100-jährigen Jubiläum wagte der Orchesterverein Ulm / Neu-Ulm ein außergewöhnliches Experiment: Felix Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“ wurde in einer eigens entwickelten, kompakten Fassung neu gedacht – als lebendige Verbindung von Orchester, Chor, Sologesang und Schauspiel. Wie aus musikalischer Auswahl, neuer Textfassung, kreativer Regiearbeit und viel Engagement eine publikumsnahe, moderne Inszenierung entstand, zeigt dieser Blick hinter die Kulissen eines ambitionierten Amateurorchester-Projektes.

    Große Anlässe brauchen ausdrucksstarke Werke und eine eindrucksvolle Aufführung. Zum 100-jährigen Jubiläumskonzert des Orchestervereins Ulm / Neu-Ulm sollte es etwas Besonderes werden. Neben der klanggewaltigen Chorfantasie für Klavier, Chor und Orchester von Ludwig van Beethoven sollte der Sommernachtstraum op. 61 von Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm stehen, der auf der gleichnamigen Textfassung von William Shakespeare beruht. Üblicherweise werden daraus Auszüge aufgeführt, wie die Ouvertüre, das verträumte Notturno oder der beliebte Hochzeitsmarsch. Eine werkgetreue, über einstündige Gesamtfassung mit dem ins Deutsche übersetzten Shakespeare-Originaltext, der teilweise mit der Musik […]

    Mit dem „Sommernachtstraum“ das Publikum neu verzaubert

  • Stummfilm mit Orchesterbegleitung

    Ein Konzert der sehr besonderen Art fand am 23.7.25 um 19.30 Uhr im Bürgersaal Altensteig als Initiative des Orchestervereins Altensteig statt. Erleben konnte das Publikum Buster Keaton in einer seiner legendärsten Rollen. In dem rasanten Stummfilm The Goat (1921) gerät Keaton als ahnungsloser Pechvogel in eine turbulente Verfolgungsjagd voller Slapsticks und akrobatischer Einlagen. Der amerikanische Komponist Scott Watson hat diesen Film neu für Orchester vertont. In Absprache mit ihm konnten Stimmen an die aktuelle Besetzung angepasst werden, so dass das Jugendsinfonieorchester zusammen mit dem Kammerorchester sich an die Aufführung dieser jazzigen und Slapstick-untermalenden Musik synchron zum laufenden Stummfilm wagen konnten. Die Herausforderung war, die Musik passgenau zum Film und zu den Slapstickeinlagen zu spielen. Es gelang präzisissimo. Der Erfolg vor dem begeisterten Publikum war groß.

    Ein Konzert der sehr besonderen Art

  • Ein Kinderkonzert mit Juri Tetzlaff und dem Kammerorchester des Karlsruher Instituts für Technologie

    Selten drängt es junge Leute heute in großer Zahl in die Kirche. Vielleicht, weil man mit den dort gebotenen Inhalten nicht so viel anfangen kann oder wegen der etwas angestaubten Atmosphäre. Ähnliches gilt für klassische Konzerte. Und wenn nun auch noch beides zusammenkommt?

    Gegenstand unserer Veranstaltung an einem Sonntagnachmittag im Herbst 2024 in der Lutherkirche (Karlsruher Oststadt) war ein aktuelles Thema: Jemand nähert sich uns gegen unseren Willen in unangemessener Weise. Allerdings – die Überschrift deutet es an – geht es nicht um #MeToo, sondern um Wölfe. Ein besonders zutrauliches Exemplar dieser Gattung schleicht seit einiger Zeit durch den südwestdeutschen (Blätter-)Wald, die Landesregierung hat ihn kürzlich zum Abschuss freigegeben. Den Besuchern unserer Veranstaltung wurde ein möglicher freundlicher Fortgang der Geschichte präsentiert: Der Wolf überlebt – wegen eklatanter Mängel bei der Umsetzung der behördlichen Anordnung durch den […]

    Der Wolf in der Kirche

  • Dieser Konzertbericht stellt neue Wege bei der Gestaltung und Finanzierung von Konzerten vor: Aufregende Neuigkeiten bringt der berittene Bote aus dem Stegreif, noch mit dem Fuß im Steigbügel, der auch aus einer Schlinge (Steg) mit einem Seil daran (Reif) bestehen kann, wie das etymologische Wörterbuch erklärt.

    Das Stegreif-Orchester spielt tatsächlich so unmittelbar wie sein Name suggeriert. Ich habe das neue Programm „freebruckner“ gehört, nein, ich habe es erlebt: Die 34 professionell ausgebildeten Musiker improvisierten zur Siebten Symphonie des großen Orgel-Improvisators. Noch im Dunkeln wurde das Publikum von allen Seiten in ein feines Geigen-Tremolo gehüllt, bis sich allmählich alle Musiker – dezent mit schwarzem Tüll geschmückt – auf der Bühne zusammenfanden. Dort gab es keine Pulte zu sehen, sondern einen langen schwarzen Riegel, der als Laufsteg, Liegefläche und festliche Tafel genutzt wurde. Während des gesamten Stücks blieben die Musiker stets in Bewegung. Sie spielten dezent in der Hocke, setzten […]

    Das Stegreif-Orchester: Bewegung statt Pulte

  • Was passiert, wenn ein Orchester das Notenpult zur Seite stellt? Wenn Musiker*innen das ganze Konzert auswendig spielen, sich im Raum bewegen und das Konzert nicht als Abfolge von Werken, sondern als gemeinsam erlebte Dramaturgie begreifen? Seit zehn Jahren verfolgen wir genau das als klassisches Ensemble. Wir inszenieren, rekomponieren und improvisieren alte bekannte Werke, ohne dass sie ihre Essenz verlieren – so entstehen Konzerte, die Ensemble und Publikum gleichermaßen bewegen.
    Im Zentrum von Stegreifs musikalischem Verständnis steht “Einheit in Vielfalt” – das bedeutet eine kollektive Zusammenarbeit und gleichzeitig viel Freiheit für Improvisation. So entsteht Freiheit beim Spielen und im Moment innerhalb eines dramaturgischen und inhaltlichen Rahmens. Werke werden nicht einfach interpretiert, sondern auseinandergefaltet, neu montiert und improvisatorisch weitergeführt.

    Bei den meisten unserer Programme verlassen wir die Bühne und spielen mitten im Publikumsraum. Dabei wird der gesamte Konzertsaal zum Resonanzraum, in dem […]

    Klassik neu erleben: Musik, Bewegung und Improvisation

  • Improvisation in einem Orchester, ohne Noten? Was für manche wie eine kleine Revolution klingt, ist für das Stegreif Orchester gelebte Praxis. Seit vielen Jahren arbeiten wir als Ensemble daran, auf neue Art und Weise gemeinsam Musik zu machen. Dabei entstehen Konzertprogramme, die auf großen Bühnen ebenso funktionieren wie in intimen Räumen oder auf Festivals. Die kollektive, klassische Improvisation steht dabei immer im Zentrum unserer Arbeit.

    Mit der üben&musizieren-Spezialausgabe des Schott-Verlags mit dem Titel ‚Alles improvisiert? – Ensemble-Improvisation mit dem Stegreif Orchester‘ geben wir nun erstmals unsere praktischen Erfahrungen der letzten 10 Jahre in einem Workbook weiter. Das Heft bündelt unsere Erkenntnisse aus zahlreichen Workshops mit Jugend- und Nachwuchsorchestern, semi-professionellen Amateurensembles und Profiorchestern.

    Der vielleicht wichtigste Gedanke, der sich durch alle Kapitel zieht, ist ebenso schlicht wie ermutigend: Improvisation ist gar nicht so schwer, wie es klingt! Das Workbook gliedert sich auf in einfache Warm-Up-Übungen (‚How to feel?‘), Übungen zur […]

    Alles improvisiert? Ein neues Workbook über Improvisation

  • Applaus

  • … enttäuscht, dass wieder nur so wenige gekommen sind …

    Welchem Landesverband geht es nicht so: Jedes Jahr lädt sein Vorstand zur (obligatorischen, weil im Vereinsrecht vorgeschriebenen) Jahreshauptversammlung ein und jedes Jahr sind der Vorstand und die wenigen, die tatsächlich teilnehmen, enttäuscht, dass wieder nur so wenige gekommen sind. Im LBBL, dem Landesverband Berlin-Brandenburg, ist das jedenfalls so. Und dann passierte uns letztes Jahr im September auch noch der Fauxpas, dass niemand daran gedacht hatte, für zwei langjährige, nun aber ausscheidende Vorstandsmitglieder ein Dankeschön vorzubereiten, das wir hätten überreichen können – peinlich. Aber … manchmal erwächst aus so etwas ja unerwartet etwas Neues, Positives, in diesem Fall die Idee: Wir laden – erstmalig – zu einem LBBL-Neujahrsempfang ein, auf dem wir unseren Dank präsentieren können. Einen Termin, der für alle aus dem alten und dem nun neuen Vorstand passend war, fanden wir nach einigem Hin und Her: Sonntag, […]

    LBBL-Neujahrsempfang 2026

  • Liebe Orchester, hoffentlich haltet ihr alle die Postkarte mit dem Horn-Motiv in Händen, die auf der Rückseite euren individuellen Orchesterzugang zu tutti.info zeigt. Im Juni 2025 ist tutti.info an den Start gegangen und in der Dezember-Ausgabe gab es zum ersten Mal Artikel über die BDLO Akademie und unsere Mitgliederversammlung, die exklusiv unseren Mitgliedsorchesters vorbehalten sind und deshalb ein Einloggen mit eurem Orchesterzugang erfordern. Also stand die Redaktion vor der Frage: „Wie teilen wir unseren 34.000 Mitgliedern ihre Zugangsdaten mit?“ Die einfachste Lösung war eine E-Mail an die Vorstände unserer 900 Mitgliedsorchester mit den Zugangsdaten und der Bitte, diese an ihre Orchester weiterzuleiten. Das war ruckzuck erledigt und die E-Mail ist hoffentlich bei euch angekommen.

    Doch wir fragten uns, ob eine E-Mail ausreiche? Die verschwindet im Postfach und ist nach wenigen Wochen kaum wiederzufinden. Also entwarfen wir eine Postkarte, die sich jeder in den Instrumentenkasten oder neben den Computer […]

    Wir lieben Orchester … auch wenn sie Arbeit machen

  • Frisch eingetroffen

  • Gut zu wissen

  • Im Rahmen meiner Masterarbeit im Studiengang BWL (Public and Non-Profit Management) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg habe ich eine empirische Untersuchung zur Rekrutierung ehrenamtlicher Vorstandsmitglieder im Bundesverband Amateurmusik Sinfonie- und Kammerorchester (BDLO) durchgeführt. Ziel war es, Motive und Barrieren bei der Übernahme eines Vorstandsmandats systematisch zu analysieren. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern der BDLO-Orchester, die sich die Zeit genommen haben, an der Umfrage teilzunehmen und damit diese Untersuchung erst möglich gemacht haben. Im Folgenden möchte ich einen kleinen Einblick in die Ergebnisse der Masterarbeit geben.

    Ehrenamtliche Vorstandsmitglieder zu gewinnen, stellt viele Kulturvereine und Verbände vor wachsende Herausforderungen. Auch aus Amateurmusik-Vereinen wird zunehmend berichtet, dass Vorstandspositionen nur schwer nachbesetzt werden können. So auch im BDLO. Also habe ich eine empirische Untersuchung durchgeführt, um zu analysieren, welche Faktoren die Bereitschaft zur Übernahme eines ehrenamtlichen Vorstandsmandats beeinflussen.

    245 Mitglieder aus dem Umfeld der BDLO-Mitgliedsorchester habe ich im Rahmen einer quantitativen Online-Befragung befragt. […]

    Übernahmebereitschaft im Ehrenamt verstehen

  • Das Jahr 2025 startete mit einer fulminanten Meldung: Laut dem Deutschen Musikinformationszentrum (miz) machen in Deutschland mehr als 21 % der Menschen in ihrer Freizeit Musik. Vergleicht man das mit den Zahlen der gleichen Studie aus dem Jahr 2021, ist hier sogar ein Anstieg um 2 % zu verzeichnen! Gute Nachrichten für die Amateurmusik in Deutschland.
    Leider kann man aufgrund der Anlage der Studie keine Schlüsse auf einzelne Bundesländer ziehen. Aus diesem Grund, und weil viele Bereiche des Amateurmusiklebens noch unbeleuchtet blieben, beschloss der Landesmusikrat Berlin eine eigene Umfrage unter seinen Mitgliedern zu verteilen, um die Berliner Szene besser abbilden zu können. Insgesamt nahmen 160 vokale und instrumentale Amateurmusikensembles an der Online-Befragung teil. Für die wichtigsten Umfrageergebnisse, die hier kurz präsentiert werden sollen, gilt folgende Einschränkung: Aufgrund begrenzter Reichweite des Landesmusikrats und den von ihm überhaupt nur erreichbaren Zielgruppen sind sie nur bedingt aussagekräftig für kleinere, weniger organisierte […]

    Amateurmusik in Berlin – „wer“ ist das eigentlich?

  • Die BDLO-Notenbibliothek

    Jedes Orchester kennt folgendes Szenario: die neue Probenphase rückt näher, der Dirigent hat eine Liste mit den Wunschwerken erstellt und nun müssen die Noten besorgt werden. Manches gibt es inzwischen im Netz. Schnell zeigt sich: die Streicherstimmen sind zu klein gedruckt, es fehlen Taktzahlen oder sogar eine komplette Stimme. Dazu kommt noch die Frage, ob es nicht doch ein besser lesbares Material gibt. Andere Werke gibt es ja in wunderbaren neuen Verlagsausgaben. An der Stelle legt der Schatzmeister jedoch sofort Protest ein, da der Anschaffungspreis das Budget des Orchesters bei weitem übersteigt.

    Genau hier beginnt die Arbeit der BDLO-Notenbibliothek.

    Untergebracht ist sie in Dresden in einem ehemaligen Fabrikgebäude – solide gebaut, Decken mit hoher Tragfähigkeit. Wo früher schwere Maschinen standen und die legendären Practica-Kameras produziert wurden, lagern heute viele Kilogramm Noten. Auf knapp 300 Regalmetern warten ca. 6.500 Werke auf ihren Einsatz: die vollständigen Materialien zu sinfonischen Orchesterwerken […]

    300 Regalmeter voll potenzieller Konzertprogramme

  • Mitspielen & Mitwirken

  • Eine geführte Reise zu den großen und kleinen musikalischen Kraftzentren der norwegischen Hauptstadt 

    Sonntag, 16.8. – Freitag, 21.8.2026 / Leitung Wulf Hilbert

    Einen Ort mit einem so umfangreichen Musikleben, wie es die Hauptstadt Norwegens aufweist, wird man lange suchen müssen: Etliche spannende Festivals mit über 5000 Konzerten im Jahr, alle Musikgenres darunter, von Klassik und Folkmusik bis zu Jazz und Hard Rock.

    Mit Wulf Hilbert hat man die Möglichkeit, all dies ganz hautnah zu erleben. Er kennt die Stadt sprichwörtlich wie seine Westentasche. Viele Jahre hat er sich in Oslo umgeschaut und nachgeforscht, wo besondere Persönlichkeiten ihre Kreativität entfaltet haben. In seinem viel beachteten Musikalischen Reiseführer OSLO (epOs – Universitätsverlag Osnabrück 2022, 2. verb. Auflage 2024) hat er mehr als 170 Orte ausgemacht und viele davon zu musikalischen Spaziergängen verbunden. Bei seinen Recherchen hat er nicht nur die Stadt, sondern auch viele ihrer Bewohner […]

    Oslo musikalisch vermessen – eine Einladung

  • Portrait

  • Das Homburger Sinfonieorchester trauert um seinen Ehrenvorsitzenden und lieben Freund Horst Riller, der am 07.11.2025 nach kurzer schwerer Krankheit mit 85 Jahren verstorben ist.

    Horst Riller wurde am 13.06.1940 in Brünn / Mähren geboren. 1946 floh die Familie nach Bayern. Als Kind lernte Horst das Geigenspiel, als Jugendlicher empfand er seine Hände als zu groß für die Geige und stieg um auf die Bratsche.

    Schon während seines Maschinenbaustudiums in München war er in Streichquartetten und Orchestern unterwegs. Hier lernte er auch seine Frau Felicitas kennen, mit der er seine Begeisterung für Musik bis zuletzt teilen konnte. Nach dem Studium führte die Arbeit Horst mit Frau und später auch zwei Töchtern für ein paar Jahre nach Westfalen, dann nach Clermont-Ferrand, nach Wien, erneut nach Frankreich und zuletzt 1985 nach Homburg im Saarland. Wo Horst auch immer lebte, gründete er Streichquartette und spielte in Orchestern.

    Homburger Kammerorchester

    In Homburg fand er mit dem […]

    Nachruf: Horst Riller