Ein Kinderkonzert mit Juri Tetzlaff und dem Kammerorchester des Karlsruher Instituts für Technologie
Selten drängt es junge Leute heute in großer Zahl in die Kirche. Vielleicht, weil man mit den dort gebotenen Inhalten nicht so viel anfangen kann oder wegen der etwas angestaubten Atmosphäre. Ähnliches gilt für klassische Konzerte. Und wenn nun auch noch beides zusammenkommt?
Gegenstand unserer Veranstaltung an einem Sonntagnachmittag im Herbst 2024 in der Lutherkirche (Karlsruher Oststadt) war ein aktuelles Thema: Jemand nähert sich uns gegen unseren Willen in unangemessener Weise. Allerdings – die Überschrift deutet es an – geht es nicht um #MeToo, sondern um Wölfe. Ein besonders zutrauliches Exemplar dieser Gattung schleicht seit einiger Zeit durch den südwestdeutschen (Blätter-)Wald, die Landesregierung hat ihn kürzlich zum Abschuss freigegeben. Den Besuchern unserer Veranstaltung wurde ein möglicher freundlicher Fortgang der Geschichte präsentiert: Der Wolf überlebt – wegen eklatanter Mängel bei der Umsetzung der behördlichen Anordnung durch den örtlichen Schützenverein. Außerdem gelingt es einem kleinen Jungen, sich zeitweilig aus der Obhut seines missmutigen Opas zu befreien, um den Wolf mit der Hilfe eines Singvogels einzufangen und letztlich in einen Zoo zu bringen. In den Nebenrollen: eine Hauskatze von mäßig sympathischem Charakter und ein bemitleidenswert unglücklich agierendes Federvieh. Gespannt verfolgten über 700 überwiegend junge Zuhörer das Geschehen mit der Musik von Sergei Prokofjew, präsentiert vom Kammerorchester des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) unter Leitung von François Salignat zusammen mit Juri Tetzlaff als Erzähler, der als Gründungsmoderator beim Kinderkanal von ARD und ZDF mit seiner abendlichen „Baumhaus“-Sendung damals hohe Bekanntheit erlangte.
Der Publikumsandrang beim Konzert war überwältigend. Bereits eine Viertelstunde vor Beginn war die letzte (kostenlose) Einlasskarte vergeben, und weitere Interessenten mussten wieder nach Hause geschickt werden, beziehungsweise warten, bis die als Türsteher eingesetzten Orchestermitglieder anderweitig zu tun hatten. Von der Kanzel herab heizte Juri Tetzlaff – auch mit Hilfe des Orchesters – zunächst die Stimmung kräftig an, bevor dann das großartige Werk selbst zur Aufführung kam. Eine beachtliche Leistung für ein Amateurorchester, insbesondere für dessen Bläser, die ja bekanntlich mit anspruchsvollen Soli tragende Rollen in der Geschichte repräsentieren.


