Die BDLO-Notenbibliothek
Jedes Orchester kennt folgendes Szenario: die neue Probenphase rückt näher, der Dirigent hat eine Liste mit den Wunschwerken erstellt und nun müssen die Noten besorgt werden. Manches gibt es inzwischen im Netz. Schnell zeigt sich: die Streicherstimmen sind zu klein gedruckt, es fehlen Taktzahlen oder sogar eine komplette Stimme. Dazu kommt noch die Frage, ob es nicht doch ein besser lesbares Material gibt. Andere Werke gibt es ja in wunderbaren neuen Verlagsausgaben. An der Stelle legt der Schatzmeister jedoch sofort Protest ein, da der Anschaffungspreis das Budget des Orchesters bei weitem übersteigt.
Genau hier beginnt die Arbeit der BDLO-Notenbibliothek.
Untergebracht ist sie in Dresden in einem ehemaligen Fabrikgebäude – solide gebaut, Decken mit hoher Tragfähigkeit. Wo früher schwere Maschinen standen und die legendären Practica-Kameras produziert wurden, lagern heute viele Kilogramm Noten. Auf knapp 300 Regalmetern warten ca. 6.500 Werke auf ihren Einsatz: die vollständigen Materialien zu sinfonischen Orchesterwerken sowie Partituren und Kammermusik. Es ist das gemeinsame musikalische Gedächtnis der ca. 870 Mitgliedsorchester unseres Verbandes. Letizia Turini und Barbara Weidlich verwalten als Notenbibliothekarinnen diesen musikalischen Schatz und bearbeiten Monat für Monat rund 100 Leihvorgänge.
Servicezentrum
Die Bibliothek verstehen sie vor allem als Servicezentrum für die Orchesterarbeit. Der Online-Werkkatalog informiert transparent über gängige und ungewöhnliche Literatur für Amateurorchester, vorhandene Materialien, Ausgaben und Besonderheiten in der Besetzung. Ansichtsseiten stehen als PDF zur Verfügung.
Beratung, Erfahrung und intensive Recherche
Aber die Wünsche der Orchester sind sehr verschieden und der Alltag ist geprägt von Fragen wie: „Habt ihr diese Arie auch transponiert? Diese Tonart ist für unsere Solisten zu hoch …“ – „Gibt es eine Ausgabe mit bezeichneten Streicherstimmen?“ – „Uns fehlt eine Stimme, könnt ihr die auftreiben?“ – Hier bedarf es Beratung, Erfahrung und intensiver Recherche. Zum Service gehört es, individuelle Wünsche der Orchester so gut wie möglich zu erfüllen. Im Rahmen der urheberrechtlichen Möglichkeiten, erhalten BDLO-Mitglieder Stimmen als Kopien oder digitale Dateien für den eigenen Gebrauch. Dafür wurde auch technisch aufgerüstet. Druck- und Scanprozesse wurden modernisiert, Stimmen können als praktische A4-Broschüre oder, zur besseren Lesbarkeit, im größeren B4-Format gedruckt werden. Das B4 Chamoire 100g Papier, welches sich für die Lesbarkeit im Bühnenlicht besonders bewährt hat, wird als Sonderformat für die Bibliothek angefertigt.
Originalmaterialien
Die für Proben und Aufführungen verwendeten Originalmaterialien benötigen immer wieder besondere Aufmerksamkeit. Sie werden behutsam gepflegt und repariert. Es wird sortiert, radiert, verglichen, ergänzt. Fehlende Stimmen werden nachbestellt, manchmal sogar neu geschrieben.
Kooperationen
Trotz der Fülle des Materials sind auch in Dresden nicht alle für Amateurorchester geeigneten Werke vorhanden. Daher kooperiert die Bibliothek mit Partnerarchiven im In- und Ausland und vermittelt Leihen von anderen Mitgliedsorchestern. Falls das gesuchte Werk oder die gewünschte Ausgabe käuflich sind, können diese auf Wunsch der Orchester neu angeschafft werden. Die Notenbibliothek beteiligt sich an den Anschaffungskosten. Das Material geht nach der Aufführung in den Bestand der Bibliothek über und steht dann auch anderen Mitgliedsorchestern zur Verfügung. Viele Materialien sind ausschließlich von Verlagen als Leihmaterial erhältlich. Bei der Recherche nach dem Verleger und dem Ansprechpartner in Deutschland unterstützt die Bibliothek die BDLO-Mitglieder mit Recherche und Beratung.
Die BDLO-Notenbibliothek ist damit weit mehr als 300 Regalmeter voller Noten. Sie ist als Netzwerk-Knotenpunkt ein lebendiger Arbeitsort und ein verlässlicher Partner für unsere musikalische Arbeit.


