Zentrale Werte
ChatGPT hatte in den fünf Orchesterordnungen folgende zentralen Werte ausfindig gemacht: Pünktlichkeit, Vorbereitung, Verantwortungsbewusstsein, gemeinsames Musizieren und klare Organisation. Unterschiede liegen vor allem in den organisatorischen Verfahren und bei der Betonung bestimmter Aspekte wie bspw. persönliche Gespräche bei (A), digitale Planung bei (B) oder praktische Verhaltensregeln bei (D) und (E). All diese Gesichtspunkte sollten in die gewünschte Synthese integriert werden, die zwar noch keine funktionierende Orchesterordnung darstellt, aber jene Elemente aufzeigt, die bei der Formulierung einer eigenen, individuell passenden Orchesterordnung berücksichtigt werden sollten. So entstand eine Art Orchesterordnungsleitfaden mit folgenden Kapiteln:
Präambel
Unser Orchester ist offen für alle, die sich musikalisch engagieren wollen, und wir setzen auf gegenseitigen Respekt, aktive Mitwirkung und das gemeinsame Ziel, qualitativ hochwertige Konzerte zu gestalten.
Mitgliedschaft
Neue Mitglieder können nach einer gegenseitigen Kennenlern-Phase (Teilnahme an mindestens vier Proben) aufgenommen werden. Bei mehreren Bewerbern auf eine freie Stellen kann ein Probespiel verabredet werden. Kein Vorspielzwang. Die Aufnahme ins Orchester erfolgt nach Zustimmung der Verantwortlichen, das sind: der Vorstand oder die Stimmführer mit dem Dirigenten oder die Dirigentin allein. Regelmäßige Probenteilnahme ist Voraussetzung.
Probenarbeit
Alle Mitglieder verpflichten sich, an mindestens 80% der Proben teilzunehmen. Pünktlichkeit, Vorbereitung und aktives Engagement sind unerlässlich. Verhinderungen sind frühzeitig zu melden. Einhaltung der Probenzeiten, Unterstützung beim Auf- und Abbau.
Noten und Stimmen
Sorgsamer Umgang mit Noten, Eintragungen nur mit (weichem) Bleistift, vollständige Rückgabe nach Konzerten. Beschädigungen und Verluste sind vom Verursacher zu tragen. Bei Änderungen bitte rechtzeitig informieren.
Kleiderordnung
Bei Auftritten einheitliche, gepflegte Kleidung entsprechend der jeweiligen Veranstaltung (z.B. schwarz, festlich). Die konkrete Kleidung wird bei jedem Anlass festgelegt.
Programmgestaltung
Verantwortlich ist die künstlerische Leitung allein oder in Absprache mit einer Programmgruppe, einem Orchesterrat, dem Vorstand, den Stimmführern … Vorschläge aus dem Orchester sind willkommen. Die Programmplanung erfolgt zu Beginn der Saison / Projektphase.
Verantwortlichkeiten
Der künstlerische Leiter und der Vorstand koordinieren die Organisation der Programme, der Konzerte, der Finanzen und ggf. bei notwendigen Konfliktlösungen. Der Orchesterrat unterstützt die interne Organisation und die Öffentlichkeitsarbeit.
Finanzen
Mitgliedsbeiträge werden halbjährlich erhoben, ermäßigte Beiträge bei Bedürftigkeit / nach Rücksprache. Beiträge sind pünktlich zu leisten. Auszeiten sind möglich, müssen rechtzeitig angemeldet werden.
Verhalten während der Proben
Respektvoll, keine Gespräche während des Spielens, Smartphones in der Regel ausgeschaltet, Unterstützung beim Aufbau, ruhiges Verhalten.
Aufnahmen und Dokumentation
Audio- / Video-Aufnahmen erfolgen je nach verfügbarem Budget. Fotos für Öffentlichkeitsarbeit sind erlaubt, die Mitglieder stimmen der Verwendung bei Eintritt zu.
Sonstiges
Konfliktlösung, regelmäßige Überprüfung / Anpassung der Orchesterordnung, Verantwortlichkeiten der Mitglieder, klare Abläufe bei Abwesenheit oder Änderungen.
Interessant ist vielleicht noch der Blick auf die spezifischen Unterschiede der Orchester, deren Regelwerke hier zusammengeführt worden sind:
Unterschiede bei Ziel, Organisation und Grundprinzipien
(A) (concentus alius, Berlin): Betont das Kennenlernen durch Probenteilnahme, flexible Aufnahmeverfahren, Entscheidung durch Gespräche, Einbindung des Orchesterrats, Programmgestaltung durch den Orchesterrat, Vereinsbeitrag. (A) legt besonderen Wert auf das persönliche Gespräch und die Integration neuer Mitglieder.
(B) (medicanti, Dresden): Legt Wert auf eine klare Mitgliedschaftsregelung, regelmäßige Probenteilnahme, transparente Programm- und Sitzplanplanung, Proben- und Konzertorganisation, flexible Aufnahme mit Probezeit. (B) ist stark auf die Organisation, verbindliche Probenteilnahme, digitale Planung (App) und klare Mitgliedsbeiträge fokussiert.
(C) (Akademisches Orchester Augsburg): Betonung auf Erfahrung, Eignung, musikalische Fähigkeiten, Probenpflicht, keine Pflicht vorzuspielen, klare Regelung bei Verhinderung, Priorisierung aktiver Mitglieder, keine detaillierte Programmgestaltung. (C) setzt weniger auf organisatorische Details.
(D) (Junge Kammerphilharmonie Berlin): Sehr praxisorientiert, klare Regeln zur Probenvorbereitung, pünktliches Erscheinen, Verhalten während der Probe, Nutzung von Noten, Sitzordnung, Kleiderordnung, Smartphone-Verbot, Verantwortlichkeiten der Stimmführer. (D) konzentriert sich auf diszipliniertes Verhalten, Notenpflege, Sitz- und Kleiderordnung.
(E) (Sinfonieorchester Carl Zeiss Jena): Klare Pflichten bei Probenbesuch, Umgang mit Noten (Eintragungen), Kleiderordnung, Verantwortlichkeiten der Registermitglieder, klare Regelungen bei Abwesenheit. (E) betont die Verantwortung bei Proben und bei der Notenpflege sowie die einheitliche Kleidung.
… zu Ende …
Was in allen fünf herangezogenen Orchesterordnungen fehlt, ist das auch von Matthias Pagenkopfs Artikel „Es ist alles bereits gesagt, nur noch nicht von jedem …“ erwähnte Thema „Jedes aktive Musizieren geht einmal zu Ende …“. Im Ford-Sinfonieorchester Köln (FSO) hat man dazu folgendes formuliert:
Ende der aktiven Teilnahme
Jedes Mitglied, das den Anforderungen des Spielens im Orchester nicht mehr genügen kann, entscheidet selber über den richtigen Zeitpunkt des Aufhörens. Gerne kann es danach weiter als inaktives Mitglied beim FSO bleiben und so das Orchester weiter unterstützen. Im Falle eines deutlichen spieltechnischen Leistungsabfalls eines Mitglieds, der nicht vorübergehenden Gründen entspringt, sprechen zunächst die Mitglieder der entsprechenden Stimmgruppe mit dem Orchestermitglied. Sollte sich die Situation in absehbarer Zeit nicht verbessern, wird der Vorstand dem Mitglied den Übergang in die passive Phase nahelegen.
Wie handhaben andere Orchester dieses nicht unheikle Thema?
Was fehlt?
Fehlen hier noch wichtige Gesichtspunkte, weil sie in keiner der beispielhaft herangezogenen Orchesterordnungen auftauchten? Schreibt’s in die Kommentare … ach nein, die gibt’s hier nicht. Aber schreibt’s per mail an die tutti.info-Redaktion: redaktion@bdlo.de



