Heute im Gespräch: Susanne Häbe, BDLO-Präsidiumsmitglied seit 2025.
Udo: Liebe Susanne, im September 2025 hast du dich zur Wahl gestellt für das BDLO-Präsidium und wurdest von den Orchestern gewählt. Wer bist du, welches Instrument spielst du, wo bist du musikalisch aktiv?
Susanne: Ich heiße Susanne Häbe, spiele seit über 35 Jahren Querflöte (voll und ganz – ohne „Zweitinstrument“) und musikalisch bin ich vor allem im Raum Stuttgart aktiv, unter anderem als 2. Vorsitzende der Süddeutschen Philharmonie.
Udo: Was waren deine Beweggründe für die Kandidatur zum BDLO-Präsidium?
Susanne: Baden-Württemberg hatte bisher noch keine Vertreterin im Präsidium. Als größter Landesverband innerhalb des BDLO war es uns wichtig, auch auf Bundesebene vertreten zu sein. Daneben bringe ich mich generell sehr gerne ehrenamtlich ein – und wenn es mit Musik in Zusammenhang steht, umso lieber.
Udo: Jetzt liegen die ersten Monate hinter dir. Was sind deine bisherigen Eindrücke vom BDLO intern und von der Präsidiumsarbeit?
Susanne: Puhhh…es prasselten tatsächlich viele verschiedene Eindrücke in sehr kurzer Zeit auf mich ein. Sehr schnell bekam ich ein Gefühl dafür, wie vielseitig das Aufgabenspektrum des BDLO ist und welche Netzwerke und Geflechte bestehen. Die Arbeit wird definitiv nicht ausgehen. Es gibt ja noch vielerlei Dachverbände, bei denen wir „mitreden“, und neben unseren eigenen Stammprojekten wie dem Bundesamateurorchester oder der Bundesmusikwoche 50plus gibt es ja auch Projekte auf europäischer und internationaler Ebene, die uns sehr am Herzen liegen, und da gilt es, eine gute Partnerschaft zu leben. Und nicht zuletzt müssen wir die bestehenden Strukturen und Projekte immer neu überdenken und hinterfragen, da sich die Rahmenbedingungen – sei es gesellschaftlich, finanziell oder kulturell – ständig ändern. Alles ist im Fluss und wir dürfen uns nicht auf bestehenden Erfolgen ausruhen.
Udo: Welche Themen möchtest du ein- und voranbringen?
Susanne: Voranbringen möchte ich die engere Verbindung der professionellen Orchesterlandschaft mit der Amateurmusikszene. Warum? Weil ich bei solchen Projekten immer wieder von beiden Seiten höre, wie bereichernd dies ist. Die Amateure profitieren von der musikalischen Expertise der Profis, die Profis schätzen das hohe Engagement und die pure Lust am Musizieren der Amateure. Und wir brauchen einander, denn nicht zuletzt sind die Amateure das Publikum der Berufsorchester und die Orchestermusiker der Berufsorchester in großen Teilen die Lehrenden der Amateurmusiker. Da liegt es doch auf der Hand, dass man die jeweiligen Probenstätten und die Bühnen nicht als trennendes, sondern als verbindendes Element versteht. Das sind auch die Themen, an denen ich im BDLO arbeite. In Baden-Württemberg haben wir mit der „Orchesterakademie Baden-Württemberg“ ein solches Projekt 2025 aus der Taufe gehoben. Die Württembergische Philharmonie Reutlingen war dabei das Partnerorchester und teilte konsequent jedes Pult mit einem Amateur. Ich habe darüber berichtet, siehe: https://tutti.info/2025/12/close-the-gap. Hinterher waren sich alle einig, dass das Projekt verstetigt werden soll. Die zweite Auflage wird in der Spielzeit 27/28 stattfinden.
Daneben ist es mir wichtig, den BDLO noch sichtbarer zu machen. Die Notenbibliothek und die Stammprojekte des BDLO sind den Orchestern meist bekannt, doch die vielfältigen anderen Angebote wie unser Online-Magazin tutti.info, unsere Orchesterlandkarte, die „frag-amu-Plattform“, unseren Konzertkalender und vieles mehr kennen noch nicht so viele Mitglieder. Das gilt es zu verbessern. Neben social-media gehört da auch unsere Präsenz auf wichtigen Musiker-Foren dazu. Das ist auch der Grund, weshalb wir in diesem Jahr erstmals auf der akustika Nürnberg mit einem Stand vertreten waren. Hier kommt man mit den Menschen direkt ins Gespräch: Mit anderen Verbänden, mit den Musikverlagen, mit Funktionären, aber auch mit jedem einzelnen Musizierenden.
Udo: Was waren deine Highlights in der letzten Zeit beim eigenen Musizieren?
Susanne: Oh, mein Highlight ist noch ganz frisch, Ende April 2026, und eine Premiere für alle Beteiligten: Die Wiener Symphoniker haben sich mit dem Vienna City Marathon zusammengetan und überlegt, welche Kooperation sie eingehen können. Der Vienna City Marathon ist mit 49.000 internationalen Teilnehmenden eine etablierte Großveranstaltung und Wien ist neben dem Sport DIE Musikstadt. So kam die Idee zustande, am Vortag der Marathonwettbewerbe ein „Konzert zum Marathon“ im goldenen Saal des Musikvereins zu geben. Dafür durften sich aus dem Teilnehmerfeld des Vienna City Marathons Musiker und Musikerinnen mit einem Video für das Konzertprojekt bewerben. Dieses wurde von den jeweiligen Stimmführern der Wiener Symphoniker gesichtet und eine Auswahl getroffen. Am Ende saßen 42 Läufer und zugleich Musiker mit den Wiener Symphonikern auf der Bühne. Vorne dran stand mit Tobias Wögerer ebenfalls ein Marathonläufer als Dirigent am Pult und in den Celli befand sich Österreichs Rekordhalter in der Marathondistanz. Geprobt wurde einen Tag vor dem Konzert. Der Musikvereinssaal war bis auf den letzten Platz ausverkauft und sowohl im Konzertsaal, als auch einen Tag später an der Marathonstrecke war die Stimmung so gigantisch, wie ich es noch nie erlebt habe. Es waren also gleich zwei Highlights an einem Wochenende in einem Projekt zusammengefasst. Ganz nebenbei verbindet es zwei Disziplinen und bringt so auch Sportpublikum in den Konzertsaal, da das Konzert als fester Bestandteil des Vienna City Marathons beworben wurde. Umgekehrt bringt es aber auch Musiker und Musikerinnen zum regelmäßigen Lauftraining, denn für den ein oder anderen Bewerber war die Aussicht, mit den Wiener Symphonikern im Musikvereinssaal auftreten zu dürfen, Motivation genug, monatelang konsequent für die Marathondistanz zu trainieren. Und ganz ehrlich – so war es auch bei mir!
Susanne: Beim Organisieren war es sicherlich die Planung und Durchführung der Sinfonischen Orchestertage in Marktoberdorf, welche ich seit drei Jahren für den Bayerischen Landesverband übernehmen darf. Traditionell am Rosenmontag findet das große Faschingskonzert statt. Der Saal ist seit eh und je schon eine Stunde vor Konzertbeginn restlos ausverkauft. Das Publikum kommt oftmals in Kostüm und applaudiert, bis die Hände wund sind. Auch wenn ich bei dieser Veranstaltung selbst nicht als Musikerin im Orchester sitze, ist die Begeisterung des Publikums und des Orchesters so intensiv zu spüren, dass ich es kaum in Worten ausdrücken kann. Gänsehautfeeling pur und große Dankbarkeit gegenüber den Musikern und Musikerinnen, die vier Tage lang mit allergrößter Ausdauer und Konzentration einfach alles geben, um ein unvergessliches Konzerterlebnis auf die Bühne zu zaubern. Das ist unbezahlbarer Lohn für die vielen hundert Stunden der Organisation und Planung.
Udo: Was waren deine Highlights in der letzten Zeit beim Erleben von Musik?
Susanne: Beim Erleben von Musik kann ich ein einzelnes Highlight gar nicht so deutlich herausstellen. Es sind sowohl die großen Orchesterwerke, wenn sich von annähernd 100 Musikern ein Raum mit Klang füllt, den ich in allen Fasern meines Körpers spüre, als auch die intime Kammermusik mit Cello und Klavier, bei der die Musik zu einem gleichen Atemrhythmus und Puls führt. Ein blindes Vertrauen, ein gleiches Spüren und Erleben und die Beschäftigung mit der Partitur, welche den Rahmen für alles Weitere liefert.
Udo: Liebe Susanne, ich wünsche dir viel Elan, Erfolg und Begeisterung bei deinen spannenden Projekten und bedanke mich für unser Gespräch.



