Orchesterakademie Baden-Württemberg
Das Pilotprojekt der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und dem Landesverband Baden-Württembergischer Liebhaberorchester (LBWL)
Wenn Passion auf Profession trifft, entsteht etwas Einzigartiges, was nur schwer in Worte zu fassen ist. Über 100 ambitionierte Amateurmusiker*innen aus der ganzen Bundesrepublik folgten dem Aufruf der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und bewarben sich mit einem kurzen Video für einen der begehrten Plätze der Orchesterakademie Baden-Württemberg.
Das Berufsorchester gewinnt den LBWL als Partner
Der Spielzeitkalender ist randvoll, der Ruf nach Formaten neben den klassischen Abo-Reihen der Berufsorchester wird immer lauter und gleichzeitig wird das Budget immer knapper. Berufsorchester stehen vor der großen Herausforderung, ihre Exzellenz auch außerhalb der eigenen Reihen partizipativ zu gestalten. Das erfordert Offenheit und Mut zugleich. Und starke Partner – in diesem Fall den LBWL, der das Projekt ideell als auch finanziell unterstützt hat. Die Württembergische Philharmonie ist schon einige Jahre auf diesem Weg, welcher unterschiedlichste Zielgruppen ganz direkt anspricht und Teilhabe nicht nur in Worthülsen verpackt, sondern in aller Konsequenz lebt. So entstand das Projekt „Seite an Seite“, welches wortwörtlich zu nehmen ist: mit konsequenter Pultteilung in allen Registern betrat am 21. Juni 2025 ein Orchester die Bühne, das jeweils zur Hälfte aus den Berufsmusiker*innen der Württembergischen Philharmonie als auch aus 49 Amateurmusiker*innen bestand. Aufgeführt wurden zwei große sinfonische Orchesterwerke: Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski sowie Tod und Verklärung von Richard Strauss.
Emotion gepaart mit Präzision
„Der unbeschwerte Idealismus tut uns richtig gut“, gesteht einer der Berufsmusiker und bezeichnet das Projekt als absolute „win-win-Situation“. Die Amateure profitieren von der langen Erfahrung und Professionalität der Orchestermitglieder und die Profis profitieren von der großen Leidenschaft und dem Ehrgeiz, gemeinsam mit den Profis ein Ergebnis nahe der Perfektion in den Konzertsaal zu tragen. Doch steht am Ende der zwei Probenwochenenden nicht nur das perfekte Ergebnis im Fokus, sondern auch der ganz persönliche Austausch untereinander. Berufs- und generationenübergreifend entstehen hier ganz besondere Einblicke, denen man nicht genug Wert beimessen kann.
Die Berufsmusiker schlüpfen in ganz neue Rollen
Die Orchestermitglieder kommen ausnahmsweise auch ganz freiwillig am Sonntag „zum Dienst“, um Stimmproben abzuhalten. Diesmal sind sie diejenigen, die anleiten, dirigieren und bei spezifischen Problemlösungen helfen. „Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich“, verrät uns einer der Orchestermitglieder und fügt hinzu: “Ich bekomme ein ganz neues Verständnis für die Dirigenten und deren Arbeit mit der Partitur, um Klangvorstellungen auch im Orchester umsetzen zu können.“
Nach dem Konzert in der Stadthalle Reutlingen wird auf der Dachterrasse des Konzerthauses noch ausgelassen gemeinsam gefeiert und alle Beteiligten waren sich einig: Der Auftakt ist gelungen, dieses Projekt wollen wir auf alle Fälle weiterführen. Wer die kommende Orchesterakademie Baden-Württemberg nicht verpassen möchte, sollte die Website der Württembergischen Philharmonie Reutlingen im Auge behalten.






