Horst Riller wurde am 13.06.1940 in Brünn / Mähren geboren. 1946 floh die Familie nach Bayern. Als Kind lernte Horst das Geigenspiel, als Jugendlicher empfand er seine Hände als zu groß für die Geige und stieg um auf die Bratsche.
Schon während seines Maschinenbaustudiums in München war er in Streichquartetten und Orchestern unterwegs. Hier lernte er auch seine Frau Felicitas kennen, mit der er seine Begeisterung für Musik bis zuletzt teilen konnte. Nach dem Studium führte die Arbeit Horst mit Frau und später auch zwei Töchtern für ein paar Jahre nach Westfalen, dann nach Clermont-Ferrand, nach Wien, erneut nach Frankreich und zuletzt 1985 nach Homburg im Saarland. Wo Horst auch immer lebte, gründete er Streichquartette und spielte in Orchestern.
Homburger Kammerorchester
In Homburg fand er mit dem Homburger Kammerorchester ein besonderes Projekt. Seine unbändige Tatkraft verbunden mit seiner Liebe zur Musik waren Triebfedern, die zusammen mit den Dirigenten eine Entwicklung des Orchesters vom kleinen Kammerorchester bis zum Sinfonieorchester mit über 60 Mitspielern bewirkt haben. Durch unermüdlichen Einsatz zusammen mit viel Humor und bayerischem Charme hat er dem Orchester viele Freunde, Förderer und Mitspieler verschafft. Von 1991 bis 1995 war Horst erster Vorsitzender des Orchestervorstands.
Landesverband Saar der Liebhaberorchester
2002 gründete er den Landesverband Saar der Liebhaberorchester, dessen Vorsitzender er bis 2013 war. Dabei war es ihm auch stets ein Anliegen, junge Musiker für das Orchesterspiel zu begeistern und zu fördern. Mit Unterstützung des Landrats des Saarpfalz-Kreises und der Hochschule für Musik Saar hob er das Kreis-Jugendsinfonieorchester Saarpfalz aus der Taufe. Dieses Projekt ruht zurzeit, da sich mit G8-Schulstress und der Coronapandemie zu große Hindernisse in den Weg stellten.
Einen weiteren musikalischen Fixpunkt schuf Horst mit der alljährlichen Aufführung zu Karfreitag des Quartetts von Joseph Haydn „Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz“. 25 Jahre führte er dieses Quartett mit Freunden in der mit Kerzenschein erleuchteten protestantischen Apostelkirche in Homburg-Einöd auf mit meditativer Stille zum Schluss statt Applaus.
Bis zu seinem gesundheitsbedingten Ausscheiden war Horst im Orchestervorstand tätig. 2018 gab er das Bratschenspiel im Orchester wegen körperlicher Beschwerden auf und war dennoch weiterhin für das Orchester da. Viele schöne Sommerfeste durften wir in seinem Zuhause feiern. Am Ende, als er von schwerer Krankheit gezeichnet auf der Palliativstation lag, erfreute er sich am Geigenspiel einer Freundin und Palliativärztin im Krankenzimmer. Sein letzter Wunsch an das Homburger Sinfonieorchester war, dass wir zum Abschluss der Trauerfeier den Radetzky-Marsch spielen sollten. So verabschiedete er sich mit dem ihm typischen Humor, mit dem er die Trauergemeinde zum Lachen brachte.
Jenny Kiesler, Homburger Sinfonieorchester
Der sllo trauert um seinen langjährigen Vorsitzenden Horst Riller, Ehrenmitglied des BDLO.
Die Gründung des Saarländischen Landesverbandes der Liebhaberorchester (sllo) erfolgte am 04.03.2002 auf Initiative von Horst Riller. Er wurde der 1. Vorsitzende des Landesverbandes und behielt diese Funktion bis zum Jahr 2013.
Umfangreiche Recherchen
Vor der formellen Gründung des Landesverbandes musste Horst Riller mit großem Aufwand und umfangreich recherchieren, um herauszufinden, welche Liebhaberorchester es im Saarland seinerzeit überhaupt gab. Diese Recherche ist nicht zu vergleichen mit den heutigen Recherchemöglichkeiten über das Internet. Keines der Orchester hatte damals eine eigene Homepage. Artikel mit eventuellen Hinweisen oder Berichten über Konzerte der einzelnen Orchester in der lokalen Saarbrücker Zeitung mit ihren verschiedenen Regionalausgaben waren seinerzeit noch nicht online recherchierbar. Nach intensivem Bemühen fand Horst Riller die Namen der Orchester und ihre Kontaktdaten heraus, um dann im nächsten Schritt die Orchester zu überzeugen, dass eine Kooperation in einem Verband sinnvoll ist. Erst durch diese Initiative wurden die einzelnen Orchester darauf aufmerksam, dass es einen Bundesverband gibt. Fast alle Orchester im Saarland sind dann dem Bundesverband beigetreten und wurden auch Mitglied im neu gegründeten Landesverband. Horst Riller hielt persönlich den Kontakt zu den einzelnen Orchestern nicht nur über seine Tätigkeit als Vorsitzender des Landesverbandes. Er spielte in diesen Jahren auch in vielen der Orchester mit – ausdrücklich nicht nur in „seinem“ Heimatorchester: dem Homburger Sinfonieorchester.
Kulturförderung
Neben dem Erfahrungsaustausch der Orchester untereinander in organisatorischen Fragen war es Horst Riller von Anfang an ein Anliegen, dass der Landesverband der Liebhaberorchester in gleicher Weise an der Kulturförderung durch Ausschüttung der Toto- und Lottogelder beteiligt wird wie andere Musikverbände auch. Hierzu gab und gibt es bis heute im Saarland eine Besonderheit gegenüber anderen Bundesländern in der Vorgehensweise bei der Verteilung der Gelder: Sie erfolgt durch den Landesmusikrat. Trotz intensiver Bemühungen von Horst Riller gelang es damals in den ersten Jahren nicht, überhaupt in den Landesmusikrat aufgenommen zu werden. Auch nach schließlich doch erfolgter Aufnahme des sllo in den Landesmusikrat waren wir von der allgemeinen Verteilung der Gelder an die Landesverbände der kulturellen Vereine ausgeschlossen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Über die Jahre kam es zu wechselnden politischen Konstellationen mit verschiedenen Parteien und Koalitionen. Trotz regelmäßiger und intensiver Bemühungen gelang es in keiner dieser Konstellationen, an der Vorgehensweise bei der Vergabe der Gelder etwas zu ändern. Bis heute besteht die einzige Möglichkeit der Mitgliedsorchester unseres Landesverbandes, Fördergelder zu bekommen, darin, Förderanträge zu konkreten Projekten zu stellen. Eine Förderung mit einem jährlichen Festbetrag (beispielsweise zur Deckung der Kosten der Dirigentenhonorare oder der Proberaummieten) gibt es nach wie vor nicht.
Kontakt und Austausch
Auch wenn dieses große Ziel nicht erreicht werden konnte, besteht unter den Mitgliedsorchestern des Landesverbandes bis heute ein guter Kontakt mit einem Austausch über verschiedene organisatorische Fragen. Dies geht wesentlich auf Horst Rillers Initiative im Zusammenhang mit der Gründung des Landesverbandes zurück.
2015 hat der BDLO Horst Riller in Dresden zum Ehrenmitglied ernannt. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Thilo Wieske, Saarländischer Landesverband der Liebhaberorchester, 1. Vorsitzender


