Musikalische Sternstunden: Prohliser Stadtteiloper „Plattenspieler:innen“ bejubelt
Ist es möglich, einen ganzen Stadtteil nicht nur musikalisch zu bespielen, sondern selbst zum Klingen zu bringen? Diese Frage stellten sich die Macher:innen von Musaik – Grenzenlos musizieren vor geraumer Zeit. Mit großem Engagement, viel Herzblut und der ganzen Community entstand Stück für Stück eine Oper, die insgesamt 300 Mitwirkende – Kinder, Jugendliche, professionelle und Amateur-Musiker:innen – auf der Bühne vereinte. Unter dem Titel „Plattenspieler:innen“ ging die Oper am 19. und 20. Juni 2026 auf die eigens errichtete Bühne in der Sporthalle in Dresden-Prohlis.
Drei Jahre Vorarbeit
Von der Idee bis zur Aufführung war es ein langer Weg, denn viel musste bedacht werden: Wen sprechen wir im Stadtteil an, wie entsteht aus vielen kleinen Teilen eine große Oper? Was wollen wir erreichen? Wie können wir das finanzieren? Als es konkret um Arrangement-Erstellung, Kostümverleih, Team-Zusammenstellung und Planung des Bühnenaufbaus ging, war die Ziellinie dann schon in Sicht.
Die Oper entsteht
Was mit ersten Gesprächen im Stadtteil, Interviews und Bürgerbeteiligungen begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem Gemeinschaftsprojekt, das die verschiedenen Akteure im Stadtteil Prohlis eng miteinander verband. Die Geschichten und Perspektiven der Mitwirkenden wurden zu einem Teil der Aufführung – die Textgrundlage entstand mit Hilfe von Beiträgen der Bürger:innen des Stadtteils. Im Frühjahr 2026 entstanden in Workshops die künstlerischen Beiträge für die Oper. Die Kinder und Jugendlichen konnten eigene Ideen einbringen und neue Ausdrucksformen kennenlernen. Von Mai bis Juni 2026 gestalteten 75 Kinder einer Prohliser Grundschule dafür im Rahmen von Workshops Bühnenbilder und Kostüme, studierten Szenen ein und übten das Singen und Tanzen. Parallel dazu entwickelten 75 Oberschulkinder Rap-Passagen, HipHop-Tanzsequenzen und einen Live-Legetrick-Film, der direkt auf eine Leinwand übertragen wurde. Professionellen Künstler:innen aus Dresden und Berlin begleiteten sie dabei.
Ergänzt wurde die Musik-Theateraufführung schließlich von 120 Musiker:innen aus Chören und Ensembles des Stadtteils, dem Musaik-Orchester mit rund 110 Mitwirkenden, 11 Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle Dresden und einer professionellen Gesangs-Solistin, sodass auf der Bühne ein außergewöhnliches Klang- und Bewegungserlebnis entstand.
Singender Stein und Plattenbauten
„Plattenspieler:innen – die Prohliser Stadtteiloper“ hat eine kosmische Dimension: Der Bauer und Amateurastronom Johann Georg Palitzsch, der 1723 in dem damaligen Dorf Prohlis zur Welt kam, wurde später berühmt, als er 1758 als Erster die von Edmond Halley vorausberechnete Wiederkehr des nach diesem benannten Halley’schen Kometen beobachtete. 2061 soll der Komet das nächste Mal erscheinen, und 2061 setzt auch der Beginn der Stadtteiloper ein.
Der Komet verliert ein Stück von sich – einen singenden Stein (Sopranistin Menna Cazel). Dieser Stein landet in Prohlis und erlebt im Zeitraffer, wie aus einer urzeitlichen Siedlung ein Dorf und schließlich eine lebendige Stadt wird. So wird ein kleines Kometenfragment zur Figur einer außergewöhnlichen Perspektive auf Geschichte, Heimat und Veränderung. Musikalisch verband „Plattenspieler:innen“ Werke aus verschiedenen Jahrhunderten von Händels Wassermusik bis zu Also sprach Zarathustra von Richard Strauss.
Positive Weiterentwicklung des Musaik-Orchesters
Die drei öffentlichen Aufführungen der „Plattenspieler:innen“ markieren einen wichtigen Meilenstein für unser Musaik-Orchester, das seit 2017 in Dresden-Prohlis aktiv ist: Die Stadtteiloper entwickelte sich sichtbar zu einem Projekt, das kulturelle Teilhabe ermöglichte und Begegnungen zwischen den verschiedenen Beteiligten unterschiedlicher Generationen und Nationen schaffte. Das wurde an diesen Juni-Tagen eindrucksvoll erlebbar. Das Musaik-Orchester hat so einen großen Schritt nach vorne gemacht. Welches Kinder- und Jugendorchester hat schon einmal eine ganze Oper mit klassischen Stücken der Opernliteratur begleitet? Einzigartig!
Jubel für die Mitwirkenden und Sternstunde
Die Aufführungen selbst waren geprägt von großer Aufregung, Konzentration und spürbarem Stolz. Viele der jungen Mitwirkenden standen zum ersten Mal vor einem größeren Publikum auf einer Bühne: Mut, Selbstvertrauen und Zusammenhalt waren während der gesamten Aufführung deutlich zu spüren. Das Publikum schließlich bedachte die Stadtteiloper mit jubelndem Applaus und Standing Ovations. Für viele – und insbesondere für die Eltern – war es bewegend zu erleben, mit welchem Engagement und welcher Selbstverständlichkeit die Kinder und Jugendlichen ihre Rollen auf und hinter der Bühne ausfüllten.
Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichteten: „In Prohlis gab es eine musikalische Sternstunde.“
Fazit
Dass es möglich ist, einen Stadtteil in einem Projekt musikalisch zu vereinen, zeigte „Plattenspieler:innen“ sehr eindrücklich. Die Prohliser Stadtteiloper wird noch lange zwischen den Plattenbauten nachhallen.
Weiterführende Links:
Community Chor ist Chor der Woche im Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunkkultur.de/chor-der-woche-100.html
Musik machen – Nur was für Reiche? Aus der ARD-Reihe POV – deine Meinung zählt: https://www.youtube.com/watch?v=L2NB22FA3Gw



