Vergnügliches Segeln im Notenmeer am Seddiner See vom 18.09.-20.09.2026
Unsere musikalische Begegnung am vorletzten Septemberwochenende des Jahres 2026 – das der Landesmusikrat Berlin zum „Jahr der Amateurmusik“ ausgerufen hat – fand in spätsommerlich-frühherbstlicher Stimmung statt. Einige Mutige sprangen sogar noch in den Seddiner See gleich neben dem Tagungsort. Sie kamen leicht fröstelnd aus dem Wasser, haben sich aber bei der anschließenden Probe schnell wieder warm gespielt. Sowohl die Sinfonie in D Nr. 104 Hob.I:104 („Salomon“) von Joseph Haydn als auch Robert Schumanns Ouvertüre e-Moll op. 52 stellten die Betriebstemperatur einer und eines jeden wieder her, auch dank der sehr konzentrierten Probenarbeit.
Wer zum ersten Mal bei dieser Orchesterwerkstatt des Landesverbands der Berliner und Brandenburger Liebhaberorchester (LBBL) dabei gewesen ist, hat sich wohl mit besonderer Spannung gefragt, wie sich dieses kurzlebige Orchestergebilde anfühlt. Schon nach der ersten Probe am Freitagabend dürfte einem jeden und einer jeden klar gewesen sein, dass es sich um eine sehr schlagfertige Spielgemeinschaft handelt, mit der in den wenigen Tagen viel auf die Beine gestellt werden kann. Im Tagungsraum war sehr viel Talent versammelt bei gleichzeitiger großer Toleranz für kleinere Unvollkommenheiten. Diejenigen, die das Orchester hingegen als langlebiges Gebilde kennen – schließlich findet die Orchesterwerkstatt sein geraumer Zeit alljährlich statt – halten dieser und einander zurecht die Treue, nicht nur wegen der hohen Qualität des gemeinsamen Musizierens, sondern auch wegen der großen Liebenswürdigkeit der Teilnehmenden abseits der Musik.
Liebenswürdigkeit im Auftreten zeichnet auch unseren Dirigenten Friedemann Neef aus. Hinzu kommen seine mitreißende Musikalität, sein Hintergrundwissen und sein großer Fleiß: die Noten, die wir vorab zu Hause schon üben konnten, hatte er bereits vollständig eingerichtet, also mit Strichen, Artikulations- und Phrasierungshinweisen sowie Fingersätzen versehen. Wir haben in den Proben nur in den seltensten Fällen Einrichtungsfragen behandeln müssen. Da alle im Orchester außerdem sehr gut vorbereitet waren, konnten wir uns ganz auf musikalische Feinheiten konzentrieren und uns der Werkinterpretation widmen.
Insgesamt waren die Proben von hoher Qualität. Die Ergebnisse aus den von Friedemann geleiteten Streicherproben und den von Martina Langer geleiteten Bläserproben wurden sehr gut zusammengeführt. Es ging bei der Wiederholung einzelner Stellen fast nur um die Ausgestaltung musikalischer Ideen und ganz selten um Grundsätzliches. Als Orchestermitglieder fühlten wir uns sehr wertgeschätzt, denn, so Friedemann, dass er an einzelnen Stellen so auf präzise Ausführung im Sinne von Musikalität insistierte und uns diese Stellen unnachgiebig wiederholen ließ, war Ausdruck davon, dass wir allesamt sehr gut vorbereitet waren; es sei nicht selbstverständlich, mit Liebhabern so in die Tiefe gehen zu können.
Wir haben uns am Sonntag für unseren Einsatz belohnen können. Das komplette Durchspiel der Stücke vor der Mittagspause war unser erstes Geschenk an uns selbst. Das große Gelingen des Abschlussspiels am Nachmittag vor etwa 15-köpfigem Publikum das zweite. Es hatte das Etikett der öffentlichen Probe bekommen, war aber de facto ein Konzert; die vorbehaltlichen Einzelvorspiele bei Misslingen blieben selbstverständlich eine leere Drohung, die ohnehin nur der Erheiterung zwischendurch diente. Das Feedback der Zuhörerschaft war durchweg positiv. Unsere Performance wurde zum Teil als professionell wahrgenommen. Während der Haydn-Symphonie soll sogar eine Träne gerollt sein. Ein Publikum so zu rühren – was gibt es für im Amateurbereich Musizierende mehr zu hoffen?
Musikerinnen und Musiker aus fünf Bundesländern haben zusammengefunden und ihr Können zusammengetragen. Die Heimvolkshochschule am Seddiner See bot einen idealen Rahmen, dieses zu entfalten und dabei über die Proben hinaus bei einem Getränk von der Zapfanlage, bei den (sehr guten!) Mahlzeiten und Spaziergängen in den Austausch über das Leben, Gott und die Welt zu kommen. Unsere Zusammenkunft war ein musikalisches Fest von Menschen, die das starke Band einer gemeinsamen Leidenschaft verbindet – ein seltenes Glück und ein großes Privileg. Die Vorfreude auf das nächste Fest dieser Art spätestens in einem Jahr ist schon jetzt bei vielen groß.



