Wer also Michael Goldbachs Komponistenrätsel löst und uns die Antwort bis zum 1. Juli 2026 mailt, bekommt die Chance, einen von drei Gutscheinen à 50 Euro zu gewinnen. Auf geht’s:
Als Sohn eines angesehenen Arztes wurde er im Geist der klassisch-lateinischen Bildung erzogen. Damals erlaubte es ein Gesetz des Landes, dass man seine Kinder nach dem Besuch der Grundschule selbst unterrichten konnte, was der Vater tat. So erhielt der Sohn eine umfassende Ausbildung. In die Anfangsgründe der Musik wurde er von einem Onkel eingeführt. Mit 14 Jahren erhielt er Flötenunterricht. In diesem Alter unternahm er auch schon erste Kompositionsversuche. Das Gitarrenspiel brachte er sich selbst bei.
Um Geld zu verdienen, bewirbt er sich um eine Stelle im Opernchor. In seinen (lesenswerten) Memoiren schildert er diese Bewerbung:
„Fünf oder sechs arme Teufel wie ich erwarteten in angstvollem Schweigen ihre Richter. […] (Der Regisseur) erschien, begleitet von einem Musiker namens Michel. […] Man hatte weder für ein Klavier noch für einen Klavierspieler gesorgt. Michels Violine musste zur Begleitung reichen. […] Als die Reihe an mich kommt, fragt unser Regisseur, […] was ich mitgebracht habe. „Ich? Nichts.“ „Wie? Nichts? Und was wollen Sie denn singen?“ „Nun, was Sie wollen. Haben Sie denn nicht irgendeine Partitur, eine Übung, ein Heft mit Stimmübungen?“ „Wir haben nichts von alledem. Außerdem“ fährt der Regisseur in verächtlichem Tone fort, „singen Sie doch wohl nicht vom Blatt, denke ich?“ „Ich bitte um Verzeihung, ich werde, was mir vorgelegt wird, vom Blatt singen.“1)
Da keine Noten vorhanden sind, wird er gebeten, ein paar bekannte Stücke zu nennen, die er singen könne. Er zählt eine ganz Liste von Arien auf und erhält am Schluss die Stelle.
„Mein Dienst begann sofort und ich hatte ein monatliches Gehalt von fünfzig Francs. Da war ich nun, bis aus mir ein verdammter dramatischer Komponist werden konnte, Chorist in einem Theater zweiten Ranges, ehrlos und bis in die Knochen von der Kirche verflucht.“2)
Mit 30 Jahren heiratet er die Liebe seines Lebens, eine englische Schauspielerin. Ohne feste Anstellung gibt er Konzerte, in denen er immer wieder neue Kompositionen aufführt, verdient seinen Lebensunterhalt aber vor allem als Journalist.
Unser Bild von ihm ist vor allem geprägt durch den revolutionären Aufbruch des jungen Komponisten mit seinen radikalen satztechnischen und gedanklichen Neuansätzen. Aber „bis heute bleibt es rätselhaft, wie er sich seine musikalischen Fähigkeiten und Kenntnisse hatte aneignen können, die ihn zu solch einem bewundernswerten Œuvre befähigten.“
Ein deutscher Dichter, der sich damals in seiner Heimatstadt aufhielt, schreibt in einem Brief an einen Freund über den hier Gesuchten: „Seine Geistesrichtung ist das Phantastische, nicht verbunden mit Gemüt, sondern mit Sentimentalität […] Schon seine äußere Erscheinung deutet darauf hin. Es ist schade, dass er seine ungeheure, antediluvianische Frisur, diese aufsträubenden Haare, die über seine Stirn, wie ein Wald über eine schroffe Felswand, sich erhoben, hat abschneiden lassen.“ Und weiter unten berichtet er von einem Konzert, in dem er das bis heute wohl bekannteste und am häufigsten aufgeführte Stück des hier Gesuchten zum ersten Mal hörte: „Man gab eine große Symphonie von ihm, ein bizarres Nachtstück, das nur zuweilen erhellt wird von einer sentimental weißen Weiberrobe, die darin hin und her flattert, oder von einem schwefelgelben Blitz der Ironie. Das Beste darin ist ein Hexensabbat, wo der Teufel Messe liest und die katholische Kirchenmusik mit der schauerlichsten, blutigsten Possenhaftigkeit parodiert wird. Es ist eine Farce…“3)
Im Alter von 63 Jahren erreicht ihn die Nachricht vom Tod seines Sohnes, die ihn zutiefst erschüttert. Trotzdem unternimmt er noch einmal eine Reise nach Moskau und Petersburg, wo er vom Publikum gefeiert wird, aber er ist am Ende seiner Kräfte. Nach seiner Rückkehr erleidet er zwei Schlaganfälle. Er stirbt im Alter von 65 Jahren. Er liegt in seiner Heimatstadt, von der er sich nie genügend anerkannt fühlte, begraben.
Wer war’s?
Die verwendeten Zitate werden in der Auflösung des Rätsels angeführt. Wir freuen uns auf viele richtige Antworten (bis zum 1. Juli 2026!) an: redaktion@bdlo.de.



