Es plante Konzerte wie alle anderen Orchester und hatte Programme wie alle anderen Orchester.
Die Reihenfolge war in jedem Konzert wie in allen vorherigen Konzerten und die Beteiligten waren dieselben, wie in jedem vorhergehenden Konzert.
Und wenn das Orchester nicht gestorben ist…
Nein, das Orchester ist so lebendig, wie nie zuvor und hatte eine Herausforderung. Es galt ein 75-jähriges Bestehen zu feiern und ein fulminantes Jubiläumsprogramm zu kreieren, das natürlich nicht viel kosten durfte.
Den Denkprozess unterstützten einige Getränke und dann überstürzten sich die Ideen:
Warum lassen wir nicht mal unsere eigenen Mitglieder als Solisten auf der Bühne stehen?
Wie kann es gehen, dass möglichst viele von ihnen zu Wort bzw. zum Solo kommen?
Was wäre eine passende Umrahmung für mehrere Solisten-Beiträge?
Wie überfordern wir uns nicht?
Und dann ergab sich eine wunderbare Programmgeschichte:
Auf die Eröffnung mit dem ersten Satz aus – passenderweise – Haydns 75. Sinfonie folgte ein Ständchen mit Happy Birthday im Stil von Händel.
Die solistischen Beiträge unserer Mitglieder (Gabriels Oboe, 1. Satz aus Mozarts Hornkonzert und die Romanze F-Dur von Beethoven) wechselten sich ab mit dem zweiten Satz aus der Sinfonie Nr. 39 (mit Bezug auf das Programm, welches das Orchester bei seinem ersten Konzert am 3.10.1948 gespielt hatte) und weiteren Happy-Birthday-Ständchen im Stil von Rossini und des Radetzkymarsches.
Die Sinfonie Nr. 104 von Haydn stand als Abschluss dann wiederum komplett auf dem Programm.
So ein vielfältiges Programm war für Publikum wie Orchester gleichermaßen neu. Und erfrischend. Die Besucher zeigten sich begeistert über so viel Abwechslung.
Mehr als ermutigt planten wir gleich das nächste Experiment. Die Idee: eine musikalische Reise durch Europa. Na gut, es hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass wir ein Auge auf die Schottische Sinfonie von Mendelssohn geworfen hatten, uns realistischerweise aber die ganze Sinfonie nicht zutrauten.
So kombinierten wir munter drauf los und reisten von Schottland (1. Satz aus der Schottischen) nach Frankreich (2. Satz aus Debussys Petite Suite), von dort nach Italien (Intermezzo aus Cavalleria Rusticana) und weiter nach Spanien (La vida breve – de Falla), bevor wir mit dem 5. Satz unserer kreativ zusammengestellten Sinfonie und Robert Schumann wieder zurück ins Rheinland kamen.
Die Zuschauer nahmen wir auch optisch mit, indem wir in jedem Satz passende Reisefotos per Beamer auf eine Leinwand spielten.
Auch dieses Konzert durften wir als gelungenes Experiment verbuchen, so dass wir ermutigt an die Planung des folgenden Konzerts gingen.
Da unsere Mitglieder auch begabte Fotografen und Fotografinnen sind, konnten wir wiederum die Musik zusätzlich visualisieren und fanden damit den direkten Weg in die Seele des Publikums.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass unser Trompeter immer wieder kurz wie kurzweilig und zugleich informativ als Reiseleiter durchs Programm führte und so die Klammer bildete.
Als Ausblick auf das nächste Konzert schließe ich mit den Worten „Es war einmal…“ und verweise damit elegant auf den roten Faden, der uns 2026 bei der Programmgestaltung leiten wird.


