Das Publikum sollte in diesem Konzert nicht nur Musik hören, sondern auch Informationen zu den einzelnen Filmen, deren Musik und vor allem dem Spannungsfeld zwischen der klassischen sinfonischen Tradition und der Welt der Filmmusik bekommen. Für die Moderation konnten wir den Schauspieler und Filmproduzenten Walter Sittler gewinnen. Die Texte hatte im Wesentlichen Stefan Junger geschrieben, ein Geiger des OV Stuttgart.
Als Eröffnung spielten wir Alfred Newmans 20th-Century-Fox-Fanfare, die schon viele Generationen von Kinobesuchern begrüßt hat, gefolgt von der Musik zu dem 1940 gedrehten Film „Der Herr der sieben Meere“, komponiert von Erich Wolfgang Korngold.
Die dann folgende Suite der „Planeten“ von Gustav Holst hat die Filmmusik nachhaltig inspiriert. John Williams, Hans Zimmer und viele andere Komponisten haben sich von „Mars“, „Jupiter“ und den anderen Planeten inspirieren lassen .
Das Ende der Pause hat auf den Punkt gepasst, denn Walter Sittler ließ uns wissen: „Es ist Sonntag, 20:15 Uhr in Deutschland“. Daraufhin erklang die Titelmusik der Serie „Tatort“.
Aber dieser Sonntag fiel aus dem Rahmen. Es erschien „Bond – James Bond“ auf der Bühne mit einem Glas Wodka-Martini in der Hand, natürlich geschüttelt, nicht gerührt, und stimmte das Publikum auf John Barrys James-Bond-Suite ein.
Ein Meisterwerk der Filmgeschichte ist „Der Pate“, der die Welt der US-amerikanischen Cosa Nostra und der sizilianischen Mafia eindrucksvoll beschreibt. Die Atmosphäre der dramatischen Konflikte, der Tragödie der Charaktere, der tiefen Nostalgie und der leisen Traurigkeit wird wesentlich von Nino Rotas Musik geprägt. Unvergesslich bleibt die Melodie des Walzers, den der Pate mit seiner Tochter tanzt. Walter Sittler schlüpfte kurzentschlossen aus seiner Rolle des Moderators in die des Paten und entführte eine der Geigerinnen von ihrem Pult, um sie zum Tanz aufzufordern.
Für Hitchcocks „Psycho“ hat der Komponist Bernard Herrmann auf ein reines Streichorchester gesetzt, ohne Pauken und Trompeten oder weitere Bläser. Die Dramatik in der Musik steht der in den anderen Stücken in keiner Weise nach: eine sich langsam immer weiter steigernde Spannung bis zu einer plötzlichen Pause – dann ein lauter schriller Schrei aus dem Publikum: Die berühmteste Duschszene der Filmgeschichte.
Für die Verfilmung der Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann ließ Luchino Visconti keine eigene Musik komponieren, sondern setzte auf das Adagietto aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie. Mahler hatte diese Musik als musikalische Liebeserklärung an Alma Schindler, seine spätere Frau, komponiert. Als Untermalung im Film „Der Tod in Venedig“ bekam sie eine völlig neue Bedeutung: melancholische Schönheit, tragische Einsamkeit, unerreichbare Sehnsucht und Vergänglichkeit.
John Williams ist ein Meister der Filmmusik. Seine Musik ist emotional und sofort wiedererkennbar. Als Hollywood in den 70er-Jahren vermehrt auf elektronische Musik und Soundtracks setzte, holte Williams die große sinfonische Filmmusik zurück. Er hat sich sehr stark von anderen Komponisten inspirieren lassen, siehe bzw. höre Gustav Holst. Mit seiner Musik aus dem Film „Star Wars“ endete dieser sowohl fürs Publikum wie für uns Orchestermitglieder unvergessliche Abend.






