Liebe Hella,
vor rund neun Jahren bin ich dir noch grün hinter den Ohren als Beisitzer im Präsidium des Landesmusikrats erstmalig bei einem Treffen in einem Café in Berlin-Halensee begegnet. Du warst die frisch gewählte Präsidentin des Landesmusikrates Berlin und hast mir zugehört, ab und zu nachgefragt und wieder zugehört – ruhig und konzentriert. Hast aufgenommen, was meine Perspektiven auf die Kulturlandschaft Berlins waren. So wie du mir zugehört hast, hast du uns allen zunächst zugehört, um dann zusammen mit deiner Kenntnis der Berliner Politik, Verwaltung und Kulturlandschaft dem Kurs des Landesmusikrates eine neue Ausrichtung zu geben. „Musik für alle“ war das Motto, das du uns dann gegeben hast.
In der Folge haben wir mehr Mitgliedsverbände gewinnen können. Unsere Stimme in der Berliner Stadtgesellschaft hat an Gewicht gewonnen, auch wenn hier noch ein gutes Stück Weg vor uns liegt. An dieser Stelle nur zwei überaus prägnante Beispiele: Wir wurden Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband, was unsere Reichweite enorm vergrößerte und Berlin nebenbei mit den „Wir-Klang-Konzerten“ eine neue Konzertreihe schenkte.
Und wir haben eine enge Beziehung zum Landessportbund aufgenommen! Unsere Partnerschaft ist von herzlicher Kollegialität geprägt, der Landessportbund hat uns wertvollste Beratung bei der Konzeption des Kulturfördergesetzes geleistet. Gemeinsame Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung in den Lehramtsstudiengängen und Aktionen wie die Bespielung der Strecke des Mini-Marathons durch den Landesmusikrat zeugen davon.
All das war möglich, weil du über ein parteiübergreifendes Netzwerk verfügst, das du für die Umsetzung deiner Visionen – und vor allem eben in den letzten Jahren auch mit dem Landesmusikrat Berlin – zum Wohle dieser Stadt eingesetzt hast. Als Bezirksstadträtin für Volksbildung in Berlin-Wilmersdorf, Abgeordnete des Abgeordnetenhauses Berlin, als stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Vorsitzende des Hauptausschusses und des Unterausschusses Theater, als Staatssekretärin für Bauen und Wohnen sowie als Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Europabeauftragte des Landes Berlin konntest du dann als Präsidentin des Landesmusikrats deine ganze politische Erfahrung sowie das erwähnte Netz in den Dienst des Landesmusikrats Berlin stellen und an die Stelle führen, wo wir heute stehen.
Ein Erlebnis soll dies noch einmal eindrücklich untermauern: Als ich dich zum ersten Mal zum Hoffest des Regierenden Bürgermeisters begleiten durfte, benötigten wir für die Strecke vom Eingang bis zum roten Rathaus eine gute Stunde, weil wir buchstäblich alle drei Meter in ein Gespräch mit ehemaligen Weggefährten aus Politik, Verwaltung und Berliner Stadtgesellschaft verwickelt wurden, und ich sage verwickelt wurden, weil in der Regel die Menschen dich ansprachen.
Unser Team mit unserer Generalsekretärin Franziska Stoff, den Mitarbeitenden und das Präsidium des Landesmusikrats Berlin – wir sind erheblich gewachsen. 2017 füllten fünf Mitarbeitende unsere Geschäftsstelle mit Leben, heute sind es 24. Unser Etat hat sich mehr als vervierfacht! Unser musikpolitisches Gewicht für unsere Mitgliedsverbände hat sich so enorm erhöht, aber auch inhaltlich hatten wir dadurch Mittel zur Verfügung, um wegweisende Projekte zu entwickeln und voranzubringen.
Zu in Landesmusikräten bereits etablierten Projekten wie Jugend musiziert, Landesjugendorchester oder Jazzorchester sind während deiner Präsidentschaft – neben anderen – folgende Projekte mit dazugekommen:
- die Musikalischen Stolpersteine, ein Erinnerungs-Musik-Kulturprojekt in Reaktion auf den 7. Oktober, dessen Konzept mittlerweile in andere Bundesländern übernommen wurde und durch eine Finanzierung der Stiftung „Erinnerung – Verantwortung – Zukunft“ nun sogar auch eine Ausweitung auf andere Kultursparten ermöglicht!
- das JAM, ein deutschlandweit einzigartiges Jugendensemble für Alte Musik,
- das Programm „Junge Ensembleleiter“, das junge Menschen auf einen musikpädagogischen Beruf vorbereitet – also das Wichtigste, was die Stadt musikpolitisch momentan braucht!
Und du hast der Amateurmusik, die paradigmatisch für das Motto „Musik für alle“ steht, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Insbesondere die Instrumentale Amateurmusik, die bisher nur sehr rudimentäre Förderstrukturen hatte, profitiert enorm. In der Beschreibung deiner Vita habe ich vorhin einen Punkt übersprungen: Du warst auch über zehn Jahre Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der privaten Hochschule ESCP Europe auf dem Campus Berlin. Mit all deiner Erfahrung aus Politik und Verwaltung hast du auch intern die Prozesse des Landesmusikrates professionalisiert und auf Effizienz getrimmt. Insbesondere auf die Presse und Öffentlichkeitsarbeit hast du großen Wert gelegt und damit die Wahrnehmung und Reichweite des Landesmusikrats erheblich gesteigert, wie wir alle dem eindrucksvollen Pressespiegel für das vergangene Jahr entnehmen können.
Auf neun Jahre, zunächst als Beisitzer, dann sechs als Vizepräsident an deiner Seite darf ich nun zurückblicken. Auf eine aufregende Zeit und extrem produktive Zusammenarbeit, und ich möchte dir dafür im Namen des Landesmusikrats Berlin, seinen Mitgliedern, dem Präsidium und der Geschäftsstelle für all das danken, was du für uns und damit für Berlin mit dem Landesmusikrat Berlin erreicht hast. Die Generalversammlung hat es gerade entschieden, ich freue mich darauf, dass du nun unsere Geschicke weiterhin als Ehrenpräsidentin begleiten wirst!
Danke Hella!



