Wulf Hilbert nach jahrelangem Engagement aus dem Präsidium des BDLO verabschiedet – ein themenreicher Sinfoniesatz
Nach mehr als drei Jahrzehnten des leidenschaftlichen Engagements als Mitglied des BDLO ist Wulf Hilbert mit der Mitgliedersammlung vom 21.09. aus dem Bundespräsidium ausgeschieden. Sein langjähriger Einsatz für die Amateurmusik in Deutschland hat die Verbandsarbeit nachhaltig geprägt und den BDLO in vielfältiger Weise weiterentwickelt. Gründe genug, um einmal auf zentrale Meilensteine im Leben von Wulf Hilbert zurückzublicken, die von seinem unermüdlichen Einsatz und seinen vielfältigen musikalischen Aktivitäten zeugen.
Exposition: Ein Hamburger mit vielen Saiten
Vorhang auf – der Protagonist betritt die Bühne. Und er ist ein echter Hamburger Jung! Früh zeigt sich sein musikalisches Talent. Er spielt Gitarre, Laute, Violine und Viola – kaum ein Saiteninstrument ist vor ihm sicher. Und er ist ein leidenschaftlicher Orchestermusiker. Von 1972 bis 1983 unterrichtete er als Musikschullehrer, und ab 1977 trat er seinen Dienst als Leiter der Hamburger Volkshochschule an, der er bis heute – im Förderverein – die Treue hält. Die musikalische Erwachsenenbildung ist das Leitmotiv, das sich durch sein Leben zieht. So dauert es nicht lange und er gründet an der Volkshochschule im Jahre 1982 das Wandsbeker Sinfonieorchester (WSO) mit der Idee, professionelle und nichtprofessionelle Musiker zu vereinen. Bekannt ist es bis heute für die wöchentlichen Proben am Vormittag. Mit dem WSO führt er in Erinnerung bleibende Konzerte durch, knüpft Kontakte mit ausländischen Orchestern und Chören und organisiert Reisen und Konzerte sowohl als Gast im Ausland als auch als Gastgeber in Hamburg und Umgebung. Musik ist für ihn eine internationale Sprache der Verständigung, wovon Verbindungen nach Oslo, London, Kopenhagen, in die Tschechische Republik sowie nach Polen zeugen.
Als Vorsitzender und Gründungsmitglied des VHS-Vereins Hamburg-Ost e.V. verhilft er dem musikalischen Angebot für Erwachsene in Hamburg zu einem beeindruckenden Crescendo. Mit stetem appassionato bringt er Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Interessen in Berührung, wagt den Blick über den Tellerrand des eigenen Faches und motiviert zu Selbstbestimmtheit im lebenslangen Lernen. Sollte man für Wulf Hilbert nach einem Lebensmotto suchen, so könnte es kaum treffender lauten: Musik begleitet ein Leben lang. Und tatsächlich zieht sich dieser Gedanke wie ein roter Faden durch sein Wirken.
Durchführung: Vom Kursleiter zum Kulturmotor
Gegenüber der klassischen Sonatenhauptsatzgestaltung sind die prägenden Themen im Leben von Wulf Hilbert nicht gegensätzlich, sondern ergänzen sich in vielfältiger Weise. Denn unser Protagonist besitzt die Gabe zu begeistern. Seiner pädagogischen Ader kommt er zusätzlich zu seiner Tätigkeit an der Volkshochschule als Dozent bei mehreren Orchesterleitungskursen speziell für Laienorchesterdirigenten beim Internationalen Arbeitskreis für Musik (IAM e.V.) oder im Leitungsduo mehrerer Orchesterwerkstätten des Forum Musikalische Erwachsenenbildung e.V. im Landkreis Osnabrück nach. Mit kontinuierlichem accelerando übernimmt er Verantwortungspositionen, initiiert und gestaltet, inspiriert und leitet. Er kann nicht stillstehen. In lebhafter Scherzo-Manier sucht er nach neuen Aufgaben, reist, doziert und dirigiert. 1994 übernimmt er die Organisation und Leitung der von Gunnar Högmark und seiner Frau Kerstin 1979 gegründeten Internationalen Ötztaler Kulturwochen in Obergurgl/Österreich. Bis zu 300 Teilnehmern gibt er die Möglichkeit, in ganz verschiedenen Werkstätten ihren musikalischen und auch anderen kulturellen Leidenschaften nachzugehen. Und über 20 Jahre war er als skifahrender Organisator des fachübergreifenden Projektes „Skilanglanglauf, Musik und Kultur in Lillehammer, Norwegen“ anzutreffen.
Kulturpolitisch zeigt sich eine weitere Facette: Als Vertreter für Hamburg engagiert er sich seit 1989 im BDLO e.V., zunächst als „Landeswalter“ und seit der Gründung des Landesverbandes Nord 2012 als dessen Vorsitzender. In dieser Funktion koordiniert er 109 Mitgliedsorchester und bietet eigene Fortbildungsprogramme an. Seit 2017 ist er im Bundespräsidium aktiv, das er nun verlässt, um sich anderen liebgewonnenen Dingen mit Freude widmen zu können. Die Stadt Hamburg hat mit Wulf Hilbert einen politisch engagierten Bürger, der als Vizepräsident des Landesmusikrates (1990-2002) seinem inneren Anliegen Rechnung trägt, sich unermüdlich für die öffentliche Wahrnehmung der Amateurmusik einzusetzen – und für eine offene, vielfältige Stadtteilkultur. In seiner heimatlichen Umgebung in Volksdorf kümmert er sich um die Pflege des Miteinanders, vereint Menschen unterschiedlicher Kulturen und stellt sich con forza gegen rechtsradikale Tendenzen. Seinen vielfältigen Betätigungsfeldern und seiner Bereitschaft, auch mal über die eigene Schmerzgrenze hinaus zu gehen, gebührt generationenübergreifender Respekt. Durch seinen großen Erfahrungsschatz bringt er sich seit Ende der 1980er-Jahre mit Fachartikeln auch wissenschaftlich-pädagogisch ein und plädiert für eine stärkere Beachtung von Erwachsenenbildung an Hochschulen. Seine Reiselust, insbesondere die Begeisterung für Norwegen und die norwegische Musikkultur, versprüht er im erst kürzlich erschienenen musikalischen Reiseführer über die Stadt Oslo, worin er seine Erfahrungen aus ungezählten Besuchen in unterhaltsamen Spaziergängen gebündelt hat.
Reprise: Ein Höhepunkt zum Jubiläum
Mit einem Sinn dafür, zwischenmenschliche Legato-Linien zu komponieren und so Menschen zusammenzuführen, gelingen ihm im Laufe der Jahre zahllose denkwürdige Projekte bis hin zum (vorläufigen) Grande Finale seiner Karriere-Sinfonie im letzten Jahr, dem Jubiläumsjahr zum 100-jährigen Bestehen des BDLO. Er ist es, der die Jubiläumsveranstaltungen des zentralen Festwochenendes Anfang Oktober 2024 nach Hamburg holt: Am Freitag den feierlichen Festakt im Hamburger Rathaus mit anschließendem Vortrag seines langjährigen Freundes Prof. Harald Herresthal, einem hervorragenden Kenner der deutsch-norwegischen Musikgeschichte. Am Samstag folgt das große Festkonzert mit dem Landesjugendorchester Hamburg zusammen mit dem Norsk Ungdomssymfoniorkester (Norwegischen Jugend-Sinfonieorchester) und im zweiten Konzertteil dem Bundesamateurorchester in der Elbphilharmonie – ein organisatorischer Großakt, mit Bravour gemeistert. Und als sei dies nicht genug, organisiert er – als Beitrag des BDLO Nord zum Jubiläum – zuvor im Mai 2024 federführend die Aufführung von Mahlers 2. Sinfonie in der Hamburger Laeiszhalle. Dass Wulf Hilbert auch das Bundesverdienstkreuz verliehen worden ist, wundert niemanden mehr und sei hier nur noch der Vollständigkeit halber erwähnt.
Und nun? Ein ruhiges Leben im langsamen Andante ist wohl kaum zu erwarten. Der eifrige Protagonist steckt bereits mitten im nächsten Projekt, der Aufführung von Gustav Mahlers 3. Sinfonie, die für das Jahr 2026 geplant ist. Sein Abschied aus dem Präsidium bedeutet also keineswegs ein Verstummen – eher ein Themenwechsel im langen, vielschichtigen Sinfoniesatz. Auch wenn Wulf Hilberts Engagement im BDLO noch gar nicht endet, denn der Landesverband Nord wird weiterhin von seiner Vorstandsarbeit profitieren, so ist seine Ernennung zum Ehrenmitglied des BDLO bei der Mitgliederversammlung allen Wegbegleitern ein Herzensanliegen, um seine jahrelange wichtige und prägende Arbeit im Verband zu würdigen.
Der BDLO bedankt sich von Herzen für das Wirken im Präsidium sowie im Landesverband und wünscht dir, lieber Wulf, alles Gute und viel Erfolg bei allen weiteren anstehenden Projekten! Musik begleitet ein Leben lang. Möge sie dich stets aufs Neue begeistern und erfüllen!




