Die historisch gewachsene Bezeichnung »Liebhaberorchester« bezieht sich auf die Liebe zur Musik, die unser gemeinsamer Nenner ist. Eine gewisse Professionalität schließt diese jedoch keineswegs aus, wie die Konzerte bspw. der Sinfonietta Mainz oder des Sinfonieorchesters des Landkreises Kaiserslautern belegen. Die Rheinland-Pfälzische Amateur-Orchesterszene ist äußerst vielfältig: vom kleinen Kammer- oder Salon- bis zum großen Sinfonieorchester und vom Jugend- bis zum Mehrgenerationsensemble. Das »typische« Laienorchester gibt es nicht.
Manche Ensembles sind schon im 19. Jahrhundert entstanden, wie das 1889 offiziell gegründete und eigentlich sogar noch ältere »Orchester des Musikvereins Kusel«, andere dagegen, wie die treffend benannte »Junge Südwestdeutsche Philharmonie« erst im 21. Jhd., so dass man hier nicht nur von einer langen, sondern auch sehr lebendigen Tradition sprechen kann.
Erwartungsgemäß kam in Rheinland-Pfalz der initiale Gründungsimpuls nur in wenigen Fällen aus der Belegschaft eines Betriebs wie bspw. in Ludwigshafen. Öfter waren es allgemeinbildende Schulen, Musikschulen, Universitäten und Volkshochschulen, die einen solchen Impuls gaben, so dass ein pädagogischer Anspruch von Anfang an dazugehörte. Andere Gründungen dagegen sind auf private Initiativen zurückzuführen, die an ein besonderes Projekt gekoppelt waren, sowohl was die Zielgruppe angeht, als auch die Wahl des Repertoires oder die Arbeitsweise des Orchesters.
Jenseits des klassischen »Feierabendorchesters« suchen tatsächlich viele Ensembles nach neuen Wegen. Die Zeiten ändern sich, und es ist heute nicht selbstverständlich, dass junge Menschen die Altersstruktur der Vereine ausgleichen und stabilisieren. Es ist auch keineswegs selbstverständlich, dass ein Publikum, das eklektischer, mobiler und wählerischer denn je geworden ist, unsere Konzerte besucht. Auf der anderen Seite steht nirgendwo geschrieben, dass ein klassisches Orchester nur »klassische Musik« spielen soll.
Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass viele unserer Mitglieder sich nicht nur Gedanken über neue Wege machen, sondern tatsächlich diese entschieden beschreiten. Pädagogische Grundlagenarbeit in Kindergärten und Grundschulen, Konzerte an ungewöhnlichen Orten und für »untypische« Zuhörerinnen und Zuhörer, grenzüberschreitende Repertoireauswahl und generell Mut zum Neuen sind Schlüssel für die erfolgreiche Fortsetzung einer schönen Tradition. Diese Schlüssel werden von unseren Mitgliedern eifrig genutzt.
Das Jubiläum des Bundesverbands wurde in Rheinland-Pfalz bereits am 16. Juni 2024 im Rahmen eines erinnerungswürdigen Konzerts der Rheinischen Orchesterakademie Mainz in der ausverkauften »Alten Lokhalle« und in Anwesenheit des Staatssekretärs für Kultur, Prof. Dr. Jürgen Hardeck, sowie des Präsidenten des Landesmusikrates, Herrn Peter Stieber, zelebriert.

